7 geheimnisvolle Orte in Dieburg, die du so nicht kennst

In und um Dieburg gibt es viele schöne Ecken und Winkel. Schlossgarten, Altstadtgassen und die Wälder der Moret sind immer lohnenswerte Ziele. An einigen Orten soll es allerdings nicht ganz geheuer sein. Geheimnisvolles soll vor sich gehen. Weißt du, an welchen Ecken du dich in Acht nehmen musst?

Im alten Dieburg gab es keine Gespenster. Jedenfalls nicht innerhalb der Stadtmauern. Abends wurden die Tore geschlossen, die Lichter gelöscht, Ruhe kehrte ein. Die Stadtbürger durften sich wohl behütet fühlen. Die Gefahren lauerten draußen, vor der Stadt.

Glaubt man dem Volksmund, gingen an vielen Orten geheimnisvolle Dinge vor sich. Am einen oder anderen sogar heute noch.

Dass Dieburgs eigene Geistergeschichten bis heute erhalten geblieben sind, ist hauptsächlich Dekan Jakob Ebersmann (1870 bis 1930) zu verdanken. 1912 wurde er als Pfarrer nach Dieburg berufen. Mit ihm kam nicht nur ein vorbildlicher Seelsorger, sondern auch ein vorzüglicher Historiker in unsere Stadt, die ihm mit ihrer teils noch wenig erforschten Geschichte ein reiches Betätigungsfeld bot.

Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte er im Kirchenkalender, der ab 1915 jedes Jahr erschien. Ebersmann hat zahlreiche Sagen, die vom Geisterglauben in Dieburg erzählen, gesammelt und in seinen Büchern veröffentlicht. Einige davon habe ich für dich aus ihren Verstecken geholt …

Der Schlangenkönig beim Bildstock

„Wer aber das Glück hat, sie zu erblicken, dem wird sie die mit Edelsteinen geschmückte Krone schenken und alles geben, was ein Menschenherz sich wünschen kann“.

Im Dieburger Wald gibt es wenig Schlangen. Nur Blindschleichen trifft man hier und da. Aber eine Schlange, so heißt es, lebt im Wald, die durch ihre Größe alle Schlangen der Welt übertrifft. Sie heißt Schlangenkönig und trägt auf dem Haupt eine goldene Krone. Noch niemand hat diese Schlange gesehen. Wer aber das Glück hat, sie zu erblicken, dem wird sie die mit Edelsteinen geschmückte Krone schenken und alles geben, was ein Menschenherz sich wünschen kann. Die Schlange lebt im Waldgebiet in der Nähe des Bildstockes, südlich von der nach Darmstadt führenden Chaussee.

Neben dem „Schlangenkönig“ ranken sich noch andere Erzählungen um den alten Bildstock. Vor über 400 Jahren errichtet, lag er weit außerhalb der Stadt an einem Karrenweg im dichten Wald. Pilger machten dort oft Rast und beteten.

So erzählt man davon, dass beim Bildstock ein Soldat ein Mädchen ermordet hätte. Andere wollen wissen, dass ein Postreiter hier ausgeraubt und erschlagen worden sei. Die Stele ermahne den Vorübergehenden, ein Gebet für die Seelen der an dieser Stelle zu Tode gekommenen Menschen zu sprechen.

Beim Holzholen in diesem abgelegenen Teil des Dieburger Waldes erzählte man seinen Kindern von den schaurigen Geschichten und ermahnte sie: „Bleibt weg vom Bildstock!“.

Wer trotz Mahnung nicht von Bildstock wegleiben will: Man findet ihn neben der Landstraße nach Darmstadt, Zufahrt zum Steinbruch unterhalb der Moret, gleich nach wenigen Metern auf der linken Seite.

Der Jakobsbrunnen

„Storch, Storch, guter, bring mir einen Bruder! Storch, Storch, bester, bring mir eine Schwester!“

Woher die Kinder kommen, darüber sind sich alle einig: Die bringt der Storch. Meinungsverschiedenheit besteht nur darüber, woher der Storch die Kleinen nimmt. An vielen Orten holt er sie aus irgendeinem Brunnen. In Dieburg stammen sie alle aus dem Jakobsbrunnen.

Seit ihrer Kindheit haben die meisten Dieburger Erinnerungen an den Jakobsbrunnen. Schon im Mittelalter war er Anlaufpunkt der Pilger. Fast jeder hat hier schon mal eine Rast auf einer Wanderung zur Moret eingelegt. Oder einen Kindergeburtstag gefeiert. Der Jakobsbrunnen lockt nämlich seit jeher die Kinder, sagt man.

Eltern machten schon vor 100 Jahren Sonntagsausflüge mit ihren Kindern zum „Jakobsbrünnsche“ und erzählten ihnen, dass hier die kleinen Kinder herkämen. Die Kinder verrenkten sich die Hälse, um in das Loch an der Brunnensäule zu schauen und waren immer sehr enttäuscht, wenn sie darin keine kleinen Kinder herumschwimmen sahen. Ihre Ehrfurcht vor dem Wasser war aber so groß, dass sie niemals ihre Hände in das Loch steckten.

Noch aus einem anderen Grund ist dieser Ort, früher eine leichte Erhebung auf freiem Feld, nicht ganz geheuer: Hexen haben hier in der Walpurgisnacht getanzt.

Die Schatzgräber

„Als sie in die Nähe des Teufelsplatzes kamen, sahen sie dort ein Feuer, an dem der Teufel stand“.

Nur einen Steinwurf vom Jakobsbrunnen entfernt, zwischen Moret und dem früheren Skihang, gibt es eine Stelle, die man heute noch Teufelsplatz nennt. Auch an diesem Platz, auf der höchsten Erhebung Dieburgs gelegen, sei es nicht ganz geheuer: Der Teufel soll hier sein Unwesen getrieben haben.

Im Dieburger Wald ist eine Stelle, die im Volksmund Teufelsplatz heißt. Dort liegt ein Schatz begraben, der vom Teufel bewacht wird. Schon manche haben versucht, den Schatz zu heben, aber bis jetzt ist es noch keinem gelungen. Vor vielen Jahren beschlossen einmal auch einige Dieburger Männer, die nachts von Messel heimgingen, den Schatz auszugraben. Als sie in die Nähe des Teufelsplatzes kamen, sahen sie dort ein Feuer, an dem der Teufel stand. Dieser zeigte ihnen den Ort, wo der Schatz in der Erde unter einem großen Stein verborgen sei. Dann sagte er ihnen, wie sie es machen müssten, um in den Besitz des Schatzes zu gelangen. Sie sollten zuerst mit ihren Röcken das Feuer auslöschen. Dann sollten sie graben, bei der Arbeit aber kein Wort reden. Die Männer befolgten die Anweisung des Teufels und machten sich lautlos an die Arbeit. Sie hatten schon lange gearbeitet, als einer von ihnen plötzlich auf einen großen Stein stieß. Voll Freude teilte er dies seinen Kameraden mit. Sobald er aber das erste Wort gesprochen hatte, versank der Stein vor ihren Augen in der Erde und mit dem Stein der Schatz. Unter Hohngelächter verschwand der Teufel, und als die Schatzgräber ihre Röcke haben wollten, waren diese zu Asche verbrannt. Sie mussten nun ohne Rock nach Hause gehen. Jetzt erst merkten sie, dass der Teufel sie gefoppt hatte. Auf dem Heimwege hörten sie noch lange das Höllenlachen des Teufels im Walde.

Die Monstranz im Walde

„Kein Mensch weiß den Ort. Nur die Tiere des Waldes kennen ihn“.

Einst drang ein Dieb zur Nachtzeit in die Wallfahrtskapelle ein. Er brach das Tabernakel auf und stahl eine Monstranz samt dem Allerheiligsten. Als er mit seiner Beute die Kapelle verlassen wollte, warf der Teufel, der zugeschaut hatte, die Kirchentüre so schnell und heftig zu, dass dem Dieb eine Ferse abgeschlagen wurde. Am anderen Morgen fanden die Kirchenbesucher an der Tür eine große Blutlache und die Ferse des Räubers. Dieser selbst floh in den Forst, wo er sich, von Schmerzen und Gewissensbissen gepeinigt, erhängte. Vor seinem Tod versteckte er die Monstranz in einem hohlen Baum. Kein Mensch weiß den Ort. Nur die Tiere des Waldes kennen ihn. Sie erweisen dem Allerheiligsten auch die gebührende Verehrung, bis eines Tages die Monstranz wieder gefunden und in feierlicher Prozession in die Kapelle zurückgetragen wird.

Der Totenmarkt

„Die Geister gehen um und klagen, es geht durch Mark und Bein“.

Mitten in Dieburg, am Rande des Schlossgartens, lag früher eine Wiese, welche seit alten Zeiten den sonderbaren Namen „Totenmarkt“ führte. Was Altertumsforschern schwerlich gelingen dürfte, den Ursprung dieses Namens zu enträtseln, löst eine Sage auf ihre eigene Weise.

Zur Zeit des Niederganges des Römerreichs war die Sittenlosigkeit so vorangeschritten, dass man sogar besondere Märkte anlegte, auf denen Sklaven und Freudenmädchen verkauft wurden. Die Einheimischen nannten sie Totenmärkte. Auch in der Nähe der alten Römerniederlassung Dieburg wurde einst ein solcher Markt abgehalten. Als die Römer dort einmal 100 Mädchen als Leibeigene zusammentrieben und die Germanen anrückten, um diese zu befreien, brachten die Sklaventreiber die Mädchen um.

Seit jener Zeit, so die Überlieferung, spukt es auf dem Totenmarkt. In stillen Nächten kann man dort das Weinen, Jammern und die Seufzer der ermordeten Mädchen hören. Mit blutenden Wunden wandern sie vom Altstädter See über den Totenmarkt durch den Schlossgarten zur Gersprenz, um das Blut von ihrer Stirn zu waschen. Da es ihnen nicht gelingt, laufen sie wieder zurück zum Altstädter See, um dort einen neuen Versuch zu machen. Doch auch dieser hat keinen Erfolg. Und so wandern sie unaufhörlich zwischen beiden Orten hin und her und erschrecken die Vorübergehenden durch ihr Erscheinen. Nachts würden sie sogar Liebespaare im Schlossgarten verfolgen und nicht in Ruhe lassen, weil ihnen selbst die Liebe verwehrt geblieben ist.

Das Muhkalb

„Ein Kalb ohne Kopf“

Weit verbreitet in unserer engeren Heimat ist die Sage vom Muhkalb. Auch in Dieburg hörte man davon. Es soll in der Klostergasse sein Unwesen treiben. Was es aber eigentlich ist, darüber konnte man nie etwas Bestimmtes erfahren. Es hieß nur, es sei ein Kalb ohne Kopf, viel größer als ein Pferd und ängstige bei Nacht durch sein plötzliches Erscheinen auf freier Straße die Menschen.

Der Dieburger Bahnhof

„Jetzt setzt die alljährliche Metamorphose vom gemeinen Dieburger Fastnachter zum Prinzenpaar im Hinterzimmer der Bahnhofswirtschaft ein“.

Auch wenn er nicht in den alten Sagen auftaucht, ist er für Fastnachter ein sagenumwobener Ort: Der Dieburger Bahnhof. Seit einem Jahrhundert ist es hier Tradition, närrische Würdenträger am Bahnhof abzuholen und in die Innenstadt zu geleiten. Viele Rätsel, Spekulationen und Anekdoten ranken sich um diesen Ort bzw. das, was dort vor sich geht. Denn die neuen Regenten bleiben bis dahin streng geheim.

Lückenlos nachweisbar ist dieser Brauch seit 1928, die Kriegsjahre ausgenommen. Auch schon um 1900 sollen sich einzelne Hinweise hierzu in Archiven finden. Allerdings gab es in den Anfangsjahren nur einen Prinzen, eine Prinzessin erstmals 1939.

Warum dieses Procedere ausgerechnet am Bahnhof stattfindet, weiß heute niemand mehr so recht. Selbst die altgedientesten Tollitäten und Fastnachter, die ich fragte, konnten keine Antwort geben.

An den Fastnachtsonntagen spielt sich immer der gleiche konspirative Verlauf ab: Minutiös geplant sammeln die Mitglieder des Prinzenkomitees den Prinzen getrennt von seiner Prinzessin an geheimen Orten auf, um sie im Domino verkleidet in den Bahnhof zu bringen. Nachdem die Bahnhofstür hermetisch verriegelt wird, gibt es kein Zurück mehr. Jetzt setzt die alljährliche Metamorphose vom gemeinen Dieburger Fastnachter zum Prinzenpaar im Hinterzimmer der Bahnhofswirtschaft ein. Während der Prinz noch mit der Strumpfhose kämpft und die Prinzessin sich die Haare richten lässt, füllt sich der Bahnhofsvorplatz. Prinzengarde und Elferrat marschieren mit Musikkapellen auf, während die Zeiger der Bahnhofsuhr gnadenlos 14.11 Uhr entgegenstreben. Trommelwirbel setzt ein. Dann ist es endlich soweit: Die Bahnhofstür springt auf, der Hofstaat tritt heraus und dann steht es da: Das neue Prinzenpaar. So wird es auch in diesem Jahr sein.

Bis es soweit ist, bleiben Prinz und Prinzessin ein Geheimnis: Wer verbirgt sich dahinter? Welche beiden „gemeinen Fastnachter“ werden am Fastnachtsonntag zum Prinzenpaar? Du hast eine Idee? Dann tippe an meiner Tollitäten-Börse mit und gewinne mit etwas Glück einen sagenhaften Preis: Das „kleine Goldspeicher-Wochenende“!! Leg‘ los.

Spiel jetzt an der Tollitäten-Börse mit!

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