KVD-Fastnachter Thomas Gelfort

Comeback nach einem Vierteljahrhundert

Thomas Gelfort hat seit dieser Kampagne wieder das „Äla im Blut“ / Bis 1992 als Büttenredner dabei / Idee für Liedtext kam mitten in der Nacht

Nein, von der Bildfläche verschwunden war Thomas Gelfort in den vergangenen 25 Jahren nicht. Na gut, einige Monate lang suchte man ihn in Dieburg tatsächlich vergebens, als er seinem Leben Hotelmanager auf Sansibar ein außergewöhnliches Kapitel hinzufügte. Doch „seiner“ Stadt – gleichwohl er aus Höhr-Grenzhausen im Westerwald (nahe Koblenz) stammt – und auch ihrer Fastnacht hielt er immer die Treue: als Fotograf etlicher Fastnachtsgruppen, als Anwohner der Ringstraße und damit als unmittelbar am Zugweg mitfeiernder Narr – und im Herzen sowieso.

Und doch dauerte es ein Vierteljahrhundert, bis Gelfort wieder die große Bühne der KVD-Sitzungen enterte: Mit dem ohrwurmtauglichen Schlager „Äla im Blut“ (hier zu hören und zu sehen) ist er nun an der Seite von Mitsängerin Annika Fiedler zurück im Rampenlicht (Foto). Der Song reißt mit und ist eingängig, der 57-Jährige und die 27-Jährige ergänzen sich gesanglich gut. Manfred Müller sorgt am weißen E-Piano für die passende instrumentale Begleitung während der Strophen, im Refrain stößt noch die Mike Nail Band hinzu – und das Publikum als mitklatschende Gewalt. Roswitha Roth, Patenkind von KVD-Ehrenpräsident Georg Rainfurth, entwarf und schneiderte das Bühnenoutfit.

Die Entstehungsgeschichte des Lieds ist interessant, Gelforts fastnachtlicher Werdegang noch interessanter.
Der begann einst in Höhr-Grenzhausen, wo Gelfort schon als 14-Jähriger für Schlagzeilen sorgte, weil er den Finger in eine auch andernorts oft klaffende Wunde legte: Das 9 000-Einwohner-Städtchen feierte leidenschaftlich Karneval und hatte Angebote für Erwachsene und Kinder – die Jugendlichen im Teenie-Alter allerdings waren mit Blick auf die aktive Mitgestaltung der Narretei etwas außen vor. Die Idee des jungen Thomas’: Für die Kampagne 1973/74 sollte ein Jugend-Elferrat die Lücke zwischen den Kindern und den Erwachsenen schließen. Daraus wurde später eine ganze Jugendsitzung und ein eigener Verein, die „Ranzengarde“. Die gibt es noch heute, mehr als vier Jahrzehnte später.

Gelfort selbst ist seit seinem Umzug an die Gersprenz längst Dieburger geworden, machte sich in der Stadt insbesondere als Fotograf einen Namen, auch wenn sein beruflicher Schwerpunkt inzwischen in erster Linie auf der Betreuung von Menschen mit Behinderung liegt. Und auch den Besuchern der KVD-Sitzungen – zu einer Zeit, in der noch lange nicht daran zu denken war, dass die Ludwigshall’ eines Tages als Schauplatz aufgegeben werden sollte – war Gelfort ein Begriff: Von 1987 bis 1992 war er Büttenredner. Unter anderem sein Vortrag als „Beleuchter“ sorgte „sellemols“ für Aufsehen. Fünf Auftritte legte Gelfort insgesamt hin, noch heute kann er alle auf Anhieb auswendig zitieren. „Du lebst so einen Vortrag ja auch“, meint er. Und das Lied „Äla im Blut“ spulen Fiedler, die er über ein Musical der Dieburger Sängerlust kennenlernte, natürlich auch nicht einfach nur im Routinemodus ab.

Trotzdem gelangte Gelfort vor 25 Jahren an den Punkt, wo er eine Auszeit von der Bütt brauchte. „Wenn du nicht weißt, wo du mit deinem Spaß hinsollst, dann geh’ auf die Bühne“, sei sein Motto. Was zugleich aber auch bedeute: Wenn dir nicht danach ist, lass es sein. „Damals haben einige Sachen privat und im Verein nicht ganz gestimmt“, blickt er zurück. Konsequenterweise unterbrach er seine Bühnenlaufbahn.

In den vergangenen Jahren näherte sich der Dieburger unterdessen wieder alter Narrenform an. Zunächst saß er im Elferrat, von wo aus er unter anderem die Tänze der Prinzengarde verfolgen konnte, in der auch seine Tochter Johanna mitmischt. „Vor mir tanzt mei Grott“, lautet dann auch eine Zeile von „Äla im Blut“, seine Mutter Hildegard hat er dort ebenfalls verewigt. Im Elferrat nahm auch der Schlager selbst seinen Anfang: „Nachdem ich dort bei der letzten Sitzung 2016 gesessen hatte, kam ich noch mit Manfred Müller ins Philosophieren über die Dieburger Fastnachtslieder“, erzählt er. Dann ging’s nach Hause, „doch um halb drei in der Nacht wurde ich wieder wach“. Einschlafen konnte Gelfort nicht mehr: „Licht an, Licht aus – ich hatte was im Kopf.“ Also stieg er aus den Federn – und schrieb und komponierte das „Äla im Blut“. „Um fünf Uhr morgens war ich fertig, um 8 Uhr habe ich den Schlager erstmals im Auto vorgesungen“, lächelt Gelfort.

Nachdem er ein paar Tage später schließlich Müller das Lied auf der Straße vorgesungen hatte – direkt vor Dieburgs Knast, was ein einigermaßen skurriles Bild gewesen sein dürfte -, brachten beide auch dank Müllers Anregungen das Werk zur finalen Reife. Unter anderem der Walzerteil im Lied war die Idee des Arrangeurs. Jetzt hat das „Äla im Blut“ das Potenzial zum Dauerbrenner. Obwohl es von einem Debütanten stammt: „Ich hatte vorher noch nie ein Lied geschrieben“, gibt Thomas Gelfort zu.

(Foto: Jens Dörr)


Dieser Beitrag entstand unter närrischer Mithilfe von Jens Dörr, www.jensdoerr.com.

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