Fastnachtsgruppen

Tolle Kostüme, jede Menge Einfälle und immer fleißig bei der Sache

Das Herzstück der Dieburger Fastnachtsumzüge sind die privaten Fußgruppen. Und das schon seit eh und je. Das wissen nicht nur die einheimischen Karnevalsfreunde, sondern auch Zehntausende Besucher aus der Region, die Jahr für Jahr am Fastnachtsdienstag nach Dieburg pilgern. Schließlich ist der Dieburger Umzug insbesondere für seine fantasievoll gekleideten Fußgruppen bekannt.

Fußgruppen prägen Bild der Umzüge – älteste noch bestehende Gruppe von 1948

Rund 75 Gruppen gibt es derzeit (Stand März 2016) – lockere Zusammenschlüsse von Cliquen, Vereinen oder Familienverbänden, die durch einfallsreiche Kostüme das bunte Erscheinungsbild der Umzüge Jahr für Jahr prägen.

Als älteste noch bestehende private Gruppe gilt das „Närrische Streichorchester“. Nach den Kriegsjahren sollte 1949 wieder ein Fastnachtsumzug starten. Einige Mitglieder des damaligen „Carneval-Clubs“ (CC) überlegten sich, wie man dem Zug dabei den Weg durch die Menschenmenge freimachen könnte. So wurde bereits im Jahr zuvor, also 1948, die Fastnachtsgruppe „Straßenkehrer“ gegründet. Sie wurde an der Spitze des Zuges platziert und bahnte den nachfolgenden Teilnehmergruppen – mit Hilfe ihrer großen Reisigbesen – den Weg durch das Zuschauerspalier. Danach trug die Gruppe kurzzeitig den Namen „Gebrüder Beilstein und Freunde“.

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Das „Närrische Streichorchester“ (1951)

Ab 1950 wurde dann die Feuerwehr bei den Absperrungen beteiligt. Da ein Großteil der Fastnachtsgruppe der Feuerwehr angehörte, wurde der Name in „Närrisches Streichorchester“ umgeändert.

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Kurze Zeit nach Gründung der „Straßenkehrer“ haben sich 1951 die „Hutsimpel“ gebildet, ursprünglich ein Zusammenschluss mehrerer fastnachtsbegeisterter Damen. Als Matrosen (Foto rechts) zogen sie zum ersten Mal beim Fastnachtszug mit und hatten so viel Spaß miteinander, dass der Gruppenname erst einmal unwichtig war. Erst zur Kampagne 1953/54 entstand der Name „Hutsimpel“, als eine Teilnehmerin in froher Stimmung bei einer Kostümanprobe eine andere als „Simpel“ titulierte. Da die Betroffene einen Hut trug, war ab diesem Zeitpunkt der Gruppenname „Hutsimpel“ geboren.

Knallköpp (1952)

Mehr als 60 Jahre Fastnachtstradition haben auch die „Knallköpp“ vorzuweisen, die seit 1952 bei den Umzügen dabei sind und deren Mitglieder – entgegen des Namens – sicher nicht „auf den Kopf gefallen sind“. Auch diese Gruppe wurde von Frauen gegründet. Sechs Frauen aus der Nähschule der Ordensschwester Maria-Theisia hatten damals Gänse angefertigt und prägten als „Äla-Gänschen“ die Anfänge der Dieburger Straßenfastnacht mit (Foto). Nach und nach kamen weitere Freunde hinzu. Heute laufen die „Knallköpp“ bereits in vierter Generation an den Umzügen mit.

Auch der „Gesangverein Sängerlust Dieburg 1864 e.V.“ war, als die Umzüge 1949 wieder aufgenommen wurden, bereits mit einer fastnachtlichen Abordnung vertreten und ist es bis heute. Der Verein pflegte zudem lange Zeit die Durchführung von Rosenmontagsbällen und führte zudem auch die Altweiberfastnacht wieder in Dieburg ein.

Neben diesen ältesten Dieburger Fastnachtsgruppen gibt es viele weitere, die bereits Jahrzehnte bestehen, aber auch einige, die sich erst in jüngster Zeit zusammengefunden haben. Das ganze Jahr über trifft man sich regelmäßig im Stammlokal oder in Partykellern und Wohnzimmern zur Ideenfindung, stimmt über das nächste Kostüm ab und führt dabei mitunter auch heiße Debatten.

Hat man sich geeinigt, geht’s ans Entwerfen und Schneidern des närrischen Outfits und bastelt in liebevoller Kleinarbeit Accessoires, was meistens von den Frauen übernommen wird. Die Männer hämmern, bohren und schrauben unterdessen am Umzugswagen herum oder kümmern sich anderweitig ums Grobe. Der Feinschliff wird dem Kostüm meist erst auf den letzten Drücker verpasst. Ein echtes Dieburger Kostüm ist daher – so sagt man jedenfalls – erst am Dienstagmorgen fertig. Die nachfolgende Galerie bietet einen kleinen Querschnitt. Fortsetzung unten …

Namen sind alte Schimpfwörter, Spitznamen oder zufällig entstanden

Die teils verrückten und eigenwilligen Namen der Gruppen sind meist mundartlich geprägte Ausdrücke. In einigen Fällen sind es früher gebräuchliche Schimpfwörter. Einige davon tauchen bereits in dem alten Gedicht „Wie in Dieborsch geschennt werd“ des Dieburger Mundartdichters Franz Herz auf. „Mehlaache“ ist ein Beispiel dafür, auch „Bambelschnude“ oder „Hannebambel“ werden dort genannt.

Nicht das achte Kraut in der Grünen Soße, sondern ein schnell wachsendes Unkraut ist die „Schessmelle“, genau genommen „Schießmelde“, weil sie regelrecht aus dem Boden hervorschießt. Mit dem mundartlich so genannten Gewächs betitelt sich seit 1967 die gleichnamigen Fastnachtsgruppe.

Andere Namen gehen auf die Zusammensetzung oder Herkunft der Gruppe zurück. Als die „Hobbel Dobbel Bobbler“ gegründet wurde, hatten viele der Mitglieder kleine Kinder. Deshalb kam man auf die Idee, etwas mit „bobbeln“ und – da ja Fastnacht ist – was mit „hüpfen“ zu machen. Daraus entstand zunächst „Hobbel Bobbler“. Weil viele aber zwei Kinder hatten und sich das so gut reimte, nahm man noch „Dobbel“ dazu und so entstand der Name. Die „Ballermänner“ lassen durchblicken, dass sie aus Reihen des Dieburger Schützenvereins stammen. Ähnlich wie die „Noteschnuffler“, deren Ursprung in einem Gesangverein, der „Freien Sängervereinigung“, liegt.

Der Gruppenname kann aber auch stellvertretend für die Gründer stehen. So wie „WI-BI-WEI“ für Heinz Winter, Adam Bieker und Franz Weißbäcker. Manchmal leitet sich der Name auch vom „Ounome“, dem Spitznamen eines der Gründer ab: die Kolb’sche Sippe der „Bleschohr’n“ lässt grüßen.

Dass auch gewisse Ereignisse namensstiftend sein können, daraus machen die „Suffköpp“ keinen Hehl: „Ein Gruppenname musste her, die Entscheidung fiel nicht schwer, beim Wagenbau ist es gescheh’n, zwei Mann, die konnten nicht mehr steh’n“.

Manchmal ist Namensgebung aber auch reine Zufallssache. So wie bei den „Welljerhelzern“. Als die nämlich zur Namensfindung in Bäcker Lehmanns Backstube tagten, gab ein zufällig an der Wand hängender, hölzerner Teigroller den Ausschlag.

Über Fastnachtsgruppen, deren Entstehung und närrisches Treiben könnte man sich endlos auslassen und sicher einige Wälzer mit Erklärungen, Fotos und Anekdoten füllen. So soll diese Seite auch nur einen kleinen Einblick in die Sache geben.

Wenn du Kontakt zu einzelnen Zuggruppen aufnehmen möchtest, bin ich dir gerne behilflich. Sende mir einfach eine Nachricht.


Zum Schluss eine Anmerkung in eigener Sache …Fastnachtsgruppen-Seite

Diese Seite ersetzt – zumindest vorläufig – die bisherige Rubrik mit über 60 Fastnachtsgruppen in Wort und Bild, die auf meiner alten Website zu finden war. Bedauerlicherweise ist festzustellen, dass diese Seiten (die eigentlich von den jeweiligen Gruppen mit gepflegt werden sollen) mittlerweile zum größten Teil völlig überaltert sind. Trotz wiederholter Bitten, Inhalte zu pflegen, schießen dort überholte Inhalte wie „Schessmellen“, so dass ich mich anlässlich des Umbaus meiner Website entschlossen habe, diesen Bereich so nicht mehr fortzuführen. Ob es hier einen Neuaufbau geben wird, wird man sehen. Ich bitte um Verständnis.

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