Teufelsgeigen-Bauanleitung

Vom Teufelskopf bis zum Gummifuß – eine Bauanleitung für das Fastnachts-Instrument

Ob Teufelsgeige, Deiwelsgeije oder auch Bumbass genannt – alles meint das gleiche: Ein Rhythmus- und Krachmacher-Instrument, das insbesondere während der Saal- und Straßenfastnacht, aber auch bei anderen Gelegenheiten unvergleichlicher Stimmungsmacher und Schmuckstück zugleich ist. Eines ist klar: Beim Bau einer „Deiwelsgeije“ sind der Fantasie keinerlei Grenzen gesetzt. So kann und soll die nachfolgende Bauanleitung nur Anhaltspunkte geben. Schließlich ist jede „Geije“ immer ein Unikat, das vom Erbauer – je nach handwerklichem Geschick, Geldbeutel und Glück beim Finden der Bauteile – individuell gestaltet wird. Man kann das Stück bei Gelegenheit natürlich abändern oder mit neuen Teilen ergänzen, so dass eine „Deiwelsgeije“ nie wirklich fertig ist.

Generell gilt: Die Teufelsgeige sollte originell aussehen, ordentlich Krach machen und nicht zu schwer sein.

„Deiwelsgeije, vorne, hinne, sin in Dibborsch ouzufinne“

Ehe sich angehende „Geigenbauer“ mit Hammer, Säge und Pinsel ans Werk machen, werfen sie am besten noch einen Blick in meine Fotosammlung mit Gestaltungsbeispielen und Detailaufnahmen. Die abgebildeten Instrumente stammen aus der Werkstatt von Otmar Spieß, „Geigengott“ und „Deiwelsgeijen-Baumeister“ der Äla-Fetzer des Dieburger Karnevalvereins.

icon_mp3Neben dem handwerklichen Teil soll hier aber auch der närrisch-akustische Teil nicht zu kurz kommen. Daher gibt’s zur schriftlichen Bauanleitung ’nen exklusiven Ohrenschmaus obendrauf: In seinem Gedicht „Die Deiwelsgeije“ (2001, 4:42 min., MP3-Datei) hat Friedel Enders den Instrumentenbau in wohlgereimte Verse gemeiselt.

 

Wo man Einzelteile findet

Für die benötigten Einzelteile gibt es viele Bezugsquellen: Baumärkte, Bastel-, Spielwaren- und Haushaltswarenläden, Eisenwarenhändler, Musikgeschäfte und Stoffhandlungen – vor allem aber Flohmärkte und Sperrmüllsammlungen. Ein Blick auf den heimischen Dachboden, in den Keller, Omas Rumpelkammer oder vollgestopfte Schubladen fördert hier sicher schon das eine oder andere nützliche Ding hervor, das sich für den Bau oder die lärmende Ausgestaltung einer Teufelsgeige verwenden lässt.

Die grundlegenden Bauteile

Zunächst besorgt man die grundlegenden Bauteile: Ein stabiles Vierkantholz (sollte Körpergröße des Spielers nicht überschreiten, eher kleiner), zwei bis drei Holz-Kleiderbügel oder Rundhölzer, ein Gummifuß, ein alter Aluminium-Topf oder eine große Konservendose/-eimer, Spanndraht, allerlei Kleinteile als „Geräuscheverursacher“, Teufelsfigur, Stoffbänder, Schrauben und Nägel.

Das Vierkantholz darf keine Astlöcher oder sonstige Beeinträchtigungen aufweisen, da sonst die Gefahr eines Bruches sehr groß ist. An der Stelle, an der das Instrument später vom Spieler gehalten wird, sollte das Holz der Hand angepasst werden (Kanten brechen). Am oberen Teil des Vierkantholzes werden die Querteile angebracht. Dazu können Kleiderbügel aus Holz aufgeschraubt werden oder man bohrt Löcher in das Holz und steckt Rundhölzer hindurch, die ebenfalls verschraubt oder verleimt werden. Am unteren Ende des Holzes wird ein Gummifuß angebracht. Dieser dient hauptsächlich dem Schutz des Holzes, aber auch dem Schutz der Fußböden in Räumlichkeiten, die man mit dem Instrument aufsucht.

Bevor nun weitergebaut wird, empfiehlt es sich, an die farbliche Gestaltung des Instrumentes zu denken, da es zu einem späteren Zeitpunkt immer schwieriger wird, mit der Farbe an alle Stellen zu gelangen. Auch bei diesem Arbeitsschritt kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Nachdem die Farben gut getrocknet sind, kann der Klangkörper in Form eines alten, ausgedienten Topfes (gut geeignet sind alte Aluminium-Töpfe), eines niedrigen oder abgeschnittenen Blecheimers oder einer großen Konservendose angebracht werden. Vor der Montage sollten am Rand des Klangkörpers gegenüberliegend jeweils etwa drei Löcher gebohrt werden, durch die sich dann die Saiten spannen. Ein Tipp hierzu: Durch das ständige Schlagen der Saiten beim späteren Spielen kann es passieren, dass sich die Löcher (bei Verwendung eines Klangkörpers aus „weichem“ Material) im Laufe der Zeit unschön weiten. Um das zu verhindern, empfiehlt es sich, die Bohrlöcher durch Nieten o. ä. zu verstärken.

Die Saiten bestehen aus Spanndraht (erhältlich in unterschiedlichen Stärken), wie er beim Bau eines Maschendrahtzaunes verwendet wird. Bei der Befestigung der Saiten ist darauf zu achten, dass das Ende des Spanndrahtes gut verdrillt wird und nicht absteht. Um hier möglicher Verletzungsgefahr vorzubeugen, am besten die Drahtenden mit etwas Isolierband umwickeln.

Scheppernde Geräuscheverursacher aller Art

An den oben angebrachten Querteilen und dem Vierkantholz werden jetzt noch allerlei Glöckchen und sonstige „Geräuscheverursacher“ (z. B. Messing- oder Metallteile von alten Lampen, Fahrradklingeln, Becken, Schellenringe usw.) angebracht. Dabei ist es wichtig, die Teile dicht an dicht zu befestigen, damit sie sich gegenseitig berühren und ordentlich Scheppern können.

Als oberen Abschluss des Instrumentes kann man eine Teufelsfigur anbringen und/oder weitere Lärminstrumente.

Zum Spielen d. h. Schlagen des Instrumentes benötigt man einen Holzstock, an dem man ggf. noch einen passenden Griff anbringt, damit er besser in der Hand liegt.

Mit farbigen Stoffstreifen, Klebebändern oder sonstigen Verzierungen gibt man dem Instrument den letzten Schliff.

(Idee/Textvorlage/Gedicht: Friedel Enders, KVD)

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