Gerald Grohe als Hofmarschall bei der KVD-Sitzung

Ein neuer Mann fürs „Rundum-sorglos-Paket“

Die Zeit als Fastnachtsprinz immer als etwas ganz Besonderes im Herzen tragen – so geht’s wohl jedem, dem diese Ehre zuteil wurde. Mit dem Amt entsteht oft eine Verbindung zum inneren Zirkel der Fastnacht. So wie bei Dr. Gerald Grohe. Der Ex-Prinz sorgt nun als Hofmarschall mit dafür, dass künftige Prinzenpaare ihren Augenblick genießen und eine gute Figur machen können. Ich habe ihn zu seinem neuen „Pöstchen“ befragt.

22 Jahre gehörte Klaus Becker als Hofmarschall zur Führungsriege des Dieburger Karnevalvereins und geleitete dabei ebenso viele Prinzenpaare durch die Kampagnen. Bereits zu Beginn der Saison 2016/2017 gab Becker, dienstältester Hofmarschall des KVD, sein Amt aus familiären Gründen ab. Nachfolger ist Dr. Gerald Grohe. Künftig wird er an der Seite der Prinzenpaare für einen reibungslosen Ablauf während der drei tollen Tage sorgen.

Grohe war 2010 selbst Fastnachtsprinz, ist seit Jahrzehnten Angehöriger der „Bambelschnude“ und an den Umzügen dabei, entsprechend tief mit der Dieburger Narretei verwurzelt. In der einen oder anderen Rolle schnuppert er mittlerweile auch karnevalistische Bühnenluft (Foto).

Im richtigen Leben ist er Facharzt für Orthopädie, engagiert sich seit einigen Jahren als zweiter Vorsitzender des SC Hassia und ist u. a. ehrenamtlicher Funktionär beim Hessischen Fußball-Verband.

Grohe gehört damit nun auch dem siebenköpfigen Prinzenkomitee des KVD an, dessen Aufgabe es ist, Prinz und Prinzessin auszuwählen, wenige Wochen vor Fastnacht zusammenzuführen und bis dahin vor allem geheimzuhalten. Die Auswahl des Trägers der „Holzisch Latern“ sowie des Kinderprinzenpaares zählen ebenso zu den Aufgaben.

Der neue Hofmarschall sieht die Übertragung des Amtes als großen Vertrauensbeweis der Verantwortlichen im KVD und ehrenvolle Aufgabe an, auf die er sich sehr freut …

 

Gerald, du hast sicher so was wie ’nen Titel als Hofmarschall. Verrätst du mir den?

Einen Titel habe ich noch nicht. Ich gehe davon aus, dass dem Komitee noch etwas Passendes einfällt.

Wie kommt’s, dass du das Amt übernommen hast? Ist der KVD auf dich zugekommen oder wie muss man sich das vorstellen? Hat dich etwas Besonderes an diesem Pöstchen gereizt?

Der KVD hatte mich bereits vor einiger Zeit gefragt, ob ich mir eine Nachfolge als Hofmarschall vorstellen könne, jetzt war es dann soweit. In der Tat war das etwas früher als ursprünglich geplant. Aber das Leben ist häufig nicht planbar. Das „Pöstchen“ ist ein tolles Ehrenamt, das sehr komprimiert und überwiegend positiv am Kern der Fastnacht in Dieburg ist, außerdem eine sehr ehrenvolle Aufgabe und ein großer Vertrauensbeweis der Verantwortlichen mir gegenüber.

Was gehört eigentlich zu den Aufgaben eines Hofmarschalls?

Das Prinzenpaar mit einem „Rundum-sorglos-Paket“ auszustatten, sich im Hintergrund zu halten und im Vordergrund zu sein, wenn es nötig ist und dem Prinzenpaar und dem Verein dienlich ist.

Rundum-sorglos-Paket für Prinzenpaare. Interessant. Hört sich an nach Vollkasko für die tollen Tage, mit Rabattretter 🙂 Was muss man sich darunter vorstellen? Was ist drin im Paket?

Eine ganze Menge. Ab Zusage stehen die Komiteemitglieder den Kandidaten in allen „fastnachtlichen Lebenslagen“ mit Rat und Tat zur Seite. Das beginnt mit dem Besuch beim Schneider oder beim Kauf wichtiger Utensilien. Alle Fragen können im Rahmen persönlicher Termine gestellt und geklärt werden, das Komitee kennt immer eine passende Antwort. Chauffeurdienst, Typenberatung, Bekleidungsmanagement, Terminmanagement, Reden schreiben und Üben. An den tollen Tagen muss das Prinzenpaar eigentlich nur zur vereinbarten Uhrzeit wach und abholbereit sein. Soweit möglich, ist wirklich alles organisiert. Beispiel: Als Prinz war ich an der Äla-Nacht ziemlich durchgeschwitzt – um meine Gesundheit sehr besorgt, wurde meine Kleidung vom diensthabenden Hofmarschall trocken geföhnt, für mich wurden Handtücher besorgt, um mich wieder rundum trocken zu legen. Die Hofmarschälle sind auch dafür verantwortlich, dass das Prinzenpaar stets eine gute Figur macht. Dazu gehört auch die Wahrung eines vernünftigen Outfits und einer gewissen Kontenance auf Seiten des Prinzenpaares 😉 Es soll dem Prinzenpaar gut gehen, in der Fastnachtszeit soll es frei von alltäglichen Lasten bleiben und der Verein soll würdig repräsentiert werden.

Wie bereitest du dich auf das Amt vor? Irgendwie einarbeiten ist ja schlecht möglich, oder?

Meine beiden erfahrenen Hofmarschallkollegen, Hans-Friedrisch Busch und Bernd Wolfenstädter, und auch der scheidende Hofmarschall Klaus Becker sind meine Ansprechpartner bei Fragen, letztlich auch der Vorsitzende und das Komitee. Natürlich werden die Kernaufgaben gut besprochen, der Rest ergibt sich.

Gibt es schon eine Art Dienstplan, wo du an Fastnacht als Hofmarschall im Einsatz bist? Wann und wo ist deine Feuertaufe?

Der Dienstplan steht, aber lass dich überraschen, wie und wo ich mein Debüt gebe.

Na gut. Überraschung, passende Überleitung: 2010 warst du ja Fastnachtsprinz, Gerald I., Medicus der Bambelschnud‘, von de Knoche-Heiler-Brut. Erzähl kurz etwas darüber. Was war dein schönstes Erlebnis als Prinz? Was kannst du als Ratschlag an künftige Prinzenpaare weitergeben?

Jeder, der als Prinzessin oder Prinz für den KVD und Dieburg unterwegs sein durfte, wird dieses Erlebnis als etwas sehr Besonderes im Herzen tragen. Ein „schönstes Erlebnis“ gibt es so nicht, ich habe mich auf jeden Tag dieser Fastnacht 2010 und 2011 riesig gefreut und möchte keine Sekunde missen. Letztlich bin ich einfach sehr dankbar, dass ich das machen durfte. Nachfolgenden Prinzenpaaren kann man eigentlich nur raten authentisch zu sein und „den Augenblick“ zu genießen.

Seit Jahren gibt es schon meine Tollitäten-Börse, auch 2010, in „deinem“ Jahr. Ehrlich, wie oft hast du reingeschaut und gelesen? Was hast du dabei gedacht? Was kannst du da über die Börse sagen?

Es liegt in der Natur des Menschen, dass er neugierig ist. Die Tollitäten-Börse ist somit eine gute Sache. Wie oft ich reingeschaut habe, weiß ich nicht mehr. Aber wem gefällt es nicht, genannt zu werden?

Wie sieht deine fastnachtliche Personalakte aus? Was steht da bis heute alles drin?

Seit 1977 bin ich aktive „Bambelschnude“. Aktuell bin ich der letzte von den ersten Bambelschnuden und somit irgendwie der Großvater in der Truppe. In diesem Jahr sind das also 40 Jahre. In meinen Genen finden sich wohl frühe fastnachtliche Spuren. Meine Mutter entstammt dem Geschlecht der „Päffchen“. Dazu gehörten zum Beispiel auch Robert Thomas und Marianne Bender. Ich bin eben ein Dibbojer und als solcher auch im Rochus geboren und getauft. Spätestens mit meiner „Prinzenzeit“ war dann irgendwie die Verbindung zum „inneren Zirkel der Fassnacht“ aufgebaut und meine kleine überschaubare Bühnenkarriere bei den Sitzungen nahm ihren Lauf.

2016 an der Sitzung, da hast du ja schon in der Nummer „Königreich Äla“ den Hofmarschall gegeben. Bist du da auf den Geschmack gekommen? Oder hast insgeheim schon geübt? Ich war auf der Premiere: Die Rolle hat dir sichtlich Spaß gemacht …

Die Rolle hat mir der Chef der Bühnentruppe, Matthias Sahm, zugedacht. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Ja, die Rolle hat mir viel Spaß gemacht, ich kann meinen Text noch jetzt auswendig aufsagen.

Gerald, ich weiß ja, dass du auch sonst viel machst, Stichwort Fußball, Vizepräsident bei der Hassia als Beispiel. Mit Blick auf das „Fastnachtliche“ wärst du sicher ein geeigneter Mann als KVD-Präsident. Ein Nachfolger für Friedel Enders wird ja bereits gesucht. Würde dich diese verantwortungsvolle Position reizen? Ich könnte mir dich dafür gut vorstellen…

Stimmt, ich habe mich seit meiner Kindheit vor allem dem Fußballsport verschrieben. Da steht der SC Hassia ganz vorne. Diesem Verein und dem Fußballsport habe ich unendlich viele tolle Erlebnisse und schöne Stunden zu verdanken. Ein bisschen Dank dafür versuche ich seit 1991 als Funktionär im Ehrenamt beim Hessischen-Fußball-Verband und auch bei unserem Verein zurückzugeben. Dazu kommt dann noch das eine oder andere ehrenamtliche „Pöstchen“ in anderem Zusammenhang. Eine Aufzählung, was ich da so alles gemacht habe, würde den Rahmen sprengen. Das Amt des KVD-Präsidenten ist eine sehr verantwortungsvolle und somit auch sehr reizvolle Aufgabe. Aufgrund beruflicher Herausforderungen könnte ich dem aktuell aber nicht gerecht werden.

Als Hofmarschall gehörst du ja auch zum Prinzenkomitee und bestimmst künftig nicht nur über die Vergabe der Holzisch Latern und das Kinderprinzenpaar mit, sondern auch über das „große“ Prinzenpaar. Gibt es etwas, wo du sagst, dabei orientierst du dich persönlich am meisten, wenn es um die Vergabe der begehrten närrischen Ämter geht?

Da beginnen die großen und kleinen Geheimnisse des Komitees, die dann auch im Komitee bleiben.

Wie siehst du die Zukunft der Dieburger Fastnacht? Muss sich hier oder da etwas ändern?

Die Dieburger Fastnacht hat bereits Jahrhunderte überlebt. Das ist kein Garant für eine gesicherte Zukunft, aber auch nicht gerade ein Nachteil. Die Fastnacht gehört zu dieser Stadt, sie ist Teil und Markenzeichen dieser Stadt. Aber auch andere scheinbar unverrückbare Institutionen mit sehr langer Tradition sind aus dem Stadtbild verschwunden. Auch für die Fastnacht gilt: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Man soll Traditionen bewahren, darf oder muss aber auch Neues wagen.

Gibt es etwas, was dir an unserer Fastnacht nicht gefällt? Sag jetzt bitte nicht „Aschermittwoch“…

Übersteigerte Kommerzialisierung und Auswüchse, die die Grenzen von friedlichem miteinander feiern deutlich übersteigen sowie mangelnder Respekt vor unserer schönen Tradition mit falsch verstandenen Freiheiten, die keiner braucht.

Die Fastnachtszeit ist eine anstrengende Zeit für aktive Karnevalisten wie dich. Worauf freust du dich nach der Fastnacht am meisten?

In aller Regel auf die Badewanne und einen Saunaaufenthalt mit meiner Frau und/oder Freunden.

Letzte Frage. Du bist ja Facharzt für Orthopädie. Ich sitze schon seit Wochen vor dem PC und schreibe den ganzen Fastnachtskram fürs Internet. Mir tut mein rechter Arm weh, vom vielen Tippen und so, ich glaub‘, ich hab ‘nen Mausarm oder so was. Du hast sicher ’nen Rat, was ich dagegen tun kann, damit ich bis Aschermittwoch durchhalte. Ich bin aber Kassenpatient.

Vielleicht kannst du deinen Mausarm mit einem netten Kätzchen vertreiben. Es soll aber auch Ärzte geben, die dich dazu in ihrer Sprechstunde beraten.

Okay, danke für den Tipp. Ich probier’s dann erst mal mit dem Kätzchen 🙂

 

Zur Person:

Dr. Gerald Grohe (51), geboren und aufgewachsen in Dieburg, Familienvater, Orthopäde, Fastnacht im Blut. Für manchen Patienten, den er im Rochus „zusammengeschraubt hat“, soll er schon „Heile Gänsje“ gesungen haben. Hat seit 40 Jahren Spaß an der Narretei in der Fastnachtsgruppe „Bambelschnude“, neuerdings auch bei Bühnenauftritten im KVD. Ab dieser Kampagne neuer Hofmarschall, zugleich Mitglied im Prinzenkomitee. 2010 an der Seite von Melanie Eisentraud Fastnachtsprinz Gerald I. Vizepräsident des SC Hassia Dieburg, Funktionär beim Hessischen Fußballverband, verschiedene weitere ehrenamtliche Tätigkeiten. Hält sich fit als Radsportler und beim Skifahren.

(Foto: Liste)

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden: