Eine neue karnevalistische Macht in „Schwarz, Weiß, Gelb“?

Wir befinden uns im Jahr 2017. Ganz Dieburg wird bald schon vom neuen Prinzenpaar des KVD regiert. Ganz Dieburg? Ein von findigen Köpfen beherrschtes Gebiet im Osten der Stadt hat vor einiger Zeit die Unabhängigkeit erklärt. Könnte das auch fastnachtliche Auswirkungen haben?

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Wie die nicht mehr ganz unbekannte „Republik am Schlangensee“, eine Machenschaft zweier Dieburger mit Köpfchen, deren Ideen immer wieder für Wirbel sorgen: Florian Schledt und Oliver Wittur. Die verwinkelte Straße „Am Schlangensee“, in der mehr als 100 Häuser stehen, liegt nahe des Campus’ im Osten von Dieburg. Das Staatsgebiet umfasst zwei Grundstücke mit 1300 Quadratmetern, aktuell zehn Einwohner,  ein Hund und eine Katze. Die Nachbarn sind ebenso involviert. Der wohl kleinste Staat auf dem Globus.

Das Vorbild für ihre nicht ganz ernst gemeinte Staatsgründung haben die beiden Dieburger in Litauen gefunden. Dort gibt es seit 20 Jahren die „Republik Uzupis“, passend gegründet an einem 1. April, der zugleich „Nationalfeiertag“ ist. Die Uzupier scherzen damit, sich jederzeit vom baltischen Staat lösen zu können. Schledt stolperte auf einem Litauen-Trip im Reiseführer auf die ungewöhnliche Idee und übertrug sie auf Dieburg.

Nach Gründungsberatungen proklamierte das Duo im Juni 2014 die neue Republik im Rahmen einer Sause mit rund 100 Gästen und viel Firlefanz: Anwohner, Sympathisanten und Feierwillige zwischen 16 und knapp 70 Jahren fanden sich hierzu auf dem „Staatsgebiet der Gründer“ ein (Foto oben).

Eigenen Währung und Staatsflagge

Neben einer eigenen Währung – goldene Kronkorken eines Odenwälder Bierproduzenten – erdachten Schledt und Wittur eine Staatsflagge für die „Republik am Schlangensee“. Sie soll den Ministaat weltweit in Schwarz-Weiß-Gelb repräsentieren. Schledt zur Farbwahl: „Schwarz wie die Nacht! Klar wie der Geist! Goldgelb wie das Bier!“

Recht auf Fastnacht unantastbar

Kern der Republik ist die Verfassung, die anfänglich elf, mittlerweile 17 Paragrafen umfasst. Sie regelt unter anderem einen natürlichen Grenzverlauf (B 26), verbietet Alufolie unter Grillfleisch und verfügt, dass der Rat der Republik nicht tagt, sondern entscheidet. Wichtigster Inhalt der Verfassung: „Das Recht auf Fastnacht ist unantastbar“, im vergangenen Jahr erweitert um die Vorgabe, dass „ein Fastnachtsumzug nicht einfach ersatzlos ausfallen darf“.

Nicht nur Sprüche – auch Taten

Von sich reden macht die kleine Nation nicht nur durch Sprüche. Aufmerksamkeit sichert auch die Teilnahme an Dieburger Veranstaltungen wie dem Stadtlauf, dem 10 Freunde Team Triathlon, dem Schlossgarten Crosslauf oder der Stadtmeisterschaft der Schützen. Der Club de Pétanque überreichte beim letztjährigen Turnier sogar den Sonderpreis für die meisten gestellten Mannschaften.

Über sportlichen Tatendrang hinaus macht sich die Republik für soziale Zwecke stark. Durch den Verkauf selbstgemachter Holzherzen wurde 2015 eine Spende über 250 Euro an die Lebenshilfe übergeben. Den gleichen Betrag hat man auch im vergangenen Jahr einer guten Sache zukommen lassen. An wen, ist im Moment noch Staatsgeheimnis.

Republik drängt in die Fastnacht

Unlängst traf ich Staatsgründer Florian Schledt in der Dieburger Innenstadt beim Schoppen zum Gedankenaustausch. Ich erfahre: Die „Republik am Schlangensee“ will mehr. Was sind die Absichten? Nachdem die Briten ihren Austritt aus der EU erklärt haben, liebäugele man mit deren Platz, heißt es spöttelnd.

Vorher möchten die Narrenstaatler am Dieburger Umzug mitlaufen dürfen. Im Rahmen der Staatsgründung 2014 riefen Schledt und Wittur auch eine neue Fastnachtsgruppe mit Namen „Republik am Schlangensee“ aus. Das Schreiben mit Bitte um Aufnahme in den Fastnachtszug liegt dem Karnevalverein Dieburg seitdem vor. Bis die Republik den „Marschbefehl“ vom Verein erhält, kann dauern: Die Warteliste ist lang.

Noch mehr Pipapo im Narrenstaat?

Doch da könnte noch etwas anderes sein. Als unabhängiger Narrenstaat kommt man nicht umhin, ein eigenes Prinzenpaar in der fünften Jahreszeit einzusetzen. Mit Hofstaat und Pipapo. Hat die Republik da Pläne in der Tasche? Konkurrenz zum Prinzenpaar des KVD? Womöglich mit eigenem „Bahnhof“? Der Kleinststaat bescheinigt sich selbst hemmungslose Narrenfreiheit. Wie hält man es also mit dem Prinzenpaar? Der Republik-Fastnachter geht in sich, nimmt einen ordentlichen Schluck Weizenbier und grinst. „Ein interessanter Gedanke, aber das Prinzenpaar des KVD regiert über ganz Dieburg, auch über unsere Republik. Ein eigenes brauchen wir da nicht“.

Fragt sich jetzt: Wer wird Prinzenpaar 2017 und regiert über ganz Dieburg einschließlich der kuriosen „Republik am Schlangensee“? Du hast eine Idee? Dann tippe an meiner Tollitäten-Börse mit und gewinne mit etwas Glück das „kleine Goldspeicher-Wochenende“!! Leg‘ los.

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