FVCA Eppertshausen Vorsstandssitzung

„In den Farben getrennt – in der Sache vereint“ – Interview

Der FV Eppertshausen ist ein Fußballverein. Der FVCA, das sind die Narren darin. Und zugleich „Hessens bester Kappen-Klub 2016“. Der hat nun Jubiläum und darf beim Umzug in Dieburg ein Gastspiel geben. Eric Seib ist Chef des Klubs und in Fastnacht hier wie da vernarrt. In einem Interview habe ich ihn dazu befragt.

Wer sich „Hessens bester Kappen-Klub 2016“ nennen darf, lässt aufhorchen. Die „Fußball-Verein-Carneval-Abteilung“ aus Eppertshausen, kurz FVCA, darf sich so nennen. Sie konnte im vergangenen Jahr den vom Hessen-Fernsehen ausgelobten Titel in einem TV-Wettstreit für sich verbuchen. Das spricht sich herum.

In diesem Jahr haben die Eppertshäuser wieder Grund zum Feiern: 44 Jahre FVCA, denn so lange gibt es jetzt die närrische Abteilung innerhalb des Kickerclubs.

Seit 1973 wird die fünfte Jahreszeit fleißig und mit viel Herzblut gefeiert. Der schelmige FVCA-Kasper als Symbolfigur, die Farben Rot und Weiß, ein Klub wie eine große Familie. Jeder kennt jeden, oft ist man befreundet, alle packen gerne gemeinsam an.

Im Jubiläumsjahr 2017 gibt es zahlreiche Veranstaltungen und Aktivitäten, beispielsweise am 1. April ein Comedyabend in der Bürgerhalle mit Comedian und FFH-Moderator Johannes Scherer. Oder die große „Helau-Nacht“ im November, ein „Best of“ aus den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten mit etlichen FVCA-Legenden.

Eppertshause‘ Helau!

Zwei Sitzungen veranstalten die Karnevalisten aus „Eppedei“ pro Saison: Elferrat, Büttenredner, Showtanzgruppe und Männerballett, Klamauk- und Gesangsgruppen, musikalisch verstärkt von der „Hauskapelle“, den Happy Singers aus Münster. Ums Protokoll kümmert sich der Pfarrer. Fast alle Bühnenaktiven sind aus dem Ort, auswärtige Künstler die Ausnahme. 160 Narren tummeln sich während einer Sitzung auf der Bühne in der Bürgerhalle, hinzu die Helfer in Technik und Service.

Im Jubeljahr Teil des Dieburger Umzugs

Dem Dieburger Karnevalverein haben die Eppertshäuser nun tatsächlich einen Platz unter den begehrten 111 Nummern des großen Umzugs am Fastnachtdienstag entlockt.

Im zwölfköpfigen Vorstand der rund 150 Mitglieder zählenden Karnevalsabteilung hat Eric Seib (Bildmitte) den Vorsitz. Der Eppertshäuser ist Fastnachtsfan von Kindesbeinen an. Beim Umzug in Dibborsch wollte er schon immer mal mitlaufen. Seib freut sich, dass es jetzt klappt …

 

Eric, in Eppertshausen gibt’s ja keinen Fastnachtsumzug. Seid ihr schon irgendwo mal an Umzügen mitgelaufen? Oder ist das in Dieburg Premiere für den FVCA?

„Nein, wir laufen schon seit über zehn Jahren am Rosenmontagszug in Urberach mit, auch jetzt wieder, da sind wir also schon zugerfahren. Aber ich bin froh, dass wir in diesem Jahr auch Bestandteil des Dieburger Umzugs sind. Ich persönlich wollte schon immer mal in Dibborsch mitlaufen“.

Was reizt dich Besonders am Dieburger Umzug? Worauf freust du dich da am meisten? Was meinst du, ist anders als in Urberach?

„Am Dieburger Umzug reizt mich das große Publikum und die tolle Stimmung, die während des Umzuges herrscht. Außerdem freue ich mich auf die vielen Kinder, die wir hoffentlich mit unserem Wurfmaterial glücklich machen werden, wir haben so um die 400 Kilo Süßkram dabei, lauter gute Sachen. Aber Dieburg und Urberach, das kann man nicht miteinander vergleichen, in Dieburg ist einfach mehr, ist alles größer, länger und so. In Dieburg sind vier Stunden Umzug normal, in Orwisch sind wir schon nach eineinhalb Stunden durchmarschiert. Da denke ich liegt der Unterschied“.

Wie viele Narren bringst du mit aus Eppertshausen?

„Wir werden so um 75 Personen sein. Es kann aber durchaus sein, dass sich die Teilnehmerzahl noch erhöht. Vor zwei Jahren waren wir in Urberach sogar mal über 100 Personen“.

In euren Stimmungsliedern hört sich das aber ganz anders an. Da heißt es, in Dieburg gibt’s schon viel zu viele Narren, da wollt ihr nicht hin und lieber in „Eppedei“ bleiben, da wär’s eh schöner. Woher der plötzliche Sinneswandel? 🙂

„Unsere Fastnachtslieder enthalten immer die ein oder andere Spitze gegen unsere Nachbargemeinden, aber in der Fastnacht ist ja alles mit einem Augenzwinkern verbunden und wir aus Eppedei bekommen ja auch unser karnevalistisches Fett von den Nachbarn ab, das gehört einfach dazu. Wir sind auf unsere Fastnacht, so wie wir sie in Eppertshausen feiern, sehr stolz und das zeigen wir auch. Fast alle Aktiven auf unserer Bühne sind aus dem Ort und auswärtige Künstler sind bei uns eher die Ausnahme. Wir sind wie eine große Familie und genießen die Tage, die wir in der fünften Jahreszeit gemeinsam verbringen. Dass ihr in Dieburg da in einer ganz anderen Größenordnung fahrt ist ja klar und ich gönne jedem Verein seinen karnevalistischen Erfolg, denn uns treibt ja alle derselbe Beweggrund an. Wie beim Fußball sage ich hier: In den Farben getrennt, in der Sache vereint und das ist das Wichtigste“.

Und ihr könnt alle auch unsere gängigen Fastnachtslieder trällern, ja? Oder müsst ihr Liederhefte auswendig lernen und Singstunden veranstalten? 🙂

„Wir können sicher einige Refrains eurer Fastnachtshits, aber ob auch jede Strophe während des Umzuges noch sitzt, bleibt abzuwarten. 🙂 In erster Linie werden wir unsere Fastnachtshits anstimmen, weil diese zu uns gehören, wie eure zu Dibborsch. Bei unseren Liedern ist davon auszugehen, dass wir alle die Texte aus dem Schlaf können und somit Singstunden entfallen bzw. die Zeit in die Kostüme gesteckt werden kann“.

Ihr hab im letzten Jahren einen neuen Fastnachtswagen gebaut, euer Partymobil, das bringt ihr ja mit. Den habt ihr nach TÜV-Vorgaben gebaut. Das war sicher jede Menge Arbeit und auch anders als sonst. Was könnt ihr in dieser Hinsicht an unsere Fastnachtsgruppen weitergeben?

„In den letzten Jahren ist es leider auf Umzügen in Deutschland zu Unfällen aufgrund von Unachtsamkeiten beim Wagenbau gekommen. Wir haben uns deswegen entschieden, vor dem Bau unseres neuen Wagens den TÜV Hessen zu Rate zu ziehen. Hier hat sich gezeigt, dass es sinnvolle Vorgaben gibt, die ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten. Da geht es sowohl um den Schutz der Zuschauer, als auch um die Sicherheit der Mitfahrer auf dem Wagen. Sicher macht das einen Wagenbau komplizierter, aber den Nutzen, den man daraus zieht, ist um ein vielfaches höher. Wenn dennoch etwas passieren sollte, was wir nicht hoffen wollen, sind wir versicherungstechnisch auf der sicheren Seite. Weil ansonsten hat man ein echtes Problem. Ich kann nur jedem empfehlen, seinen Wagen nach TÜV-Vorgaben zu bauen, sonst kann es leicht passieren, dass bei einer etwaigen Kontrolle der Wagen stillgelegt wird“.

Eric, ich muss dich warnen: Der Dieburger kriegt ganz schnell Augenrollen und wird übellaunig, wenn ihm statt „Äla“ ein „Helau“ von eurem Partymobil entgegendonnert. Wisst ihr, auf was ihr euch da einlasst? 🙂

„Sicher ist uns dieser Umstand klar, dass in Dieburg das Äla einen sehr hohen Stellenwert hat, aber wir werden unser Helau trotzdem in euren Straßen schmettern. Das Äla wird uns aber sicher auch ab und an lauthals aus den Kehlen kommen. Es sind ja auch viele Zuschauer da, die nicht aus Dieburg kommen und die werden denke ich unser Helau das ein oder andere Mal freudig erwidern. Für die Dieburger, die mit den Augen rollen und übellaunig werden, haben wir ja das Wurfmaterial, das sie hoffentlich besänftigen wird. Du siehst Karnevalisten finden für alles eine Lösung“. 🙂

Wie sieht ein Eppertshäuser Fastnachter, sozusagen als „Außenstehender“, die Dieburger Fastnacht? Was gefällt dir gut und was vielleicht nicht?

„Toll finde ich, dass ihr so eine große Gemeinschaft seid und das fast ganz Dibborsch über die tollen Tage völlig aus dem Häuschen ist. Die Möglichkeiten auf den Straßen und in den Kneipen bei euch und mit euch Fastnacht zu feiern sind optimal und ziehen auch viele Narren aus den Nachbargemeinden an. Da kann man euch als Vorbild nehmen und hoffen, dass die eigenen Einwohner auch etwas närrischer werden. 🙂 Nicht gefallen an der Dieburger Fastnacht tut mir eigentlich gar nichts. Höchstens, dass man ab und an belächelt wird, wenn man sagt, dass man gerne Fastnacht feiert, aber nicht aus Dibborsch bzw. dem KVD kommt, das ist schade. 🙁 Woanders wird die Fastnacht auch gefeiert und ich denke, man sollte sich einfach darüber freuen, dass man einer dieser Narren ist. Ob aus Ebbedei, Dibborsch, Minster, Orwisch oder sonst wo ist doch egal, solange man gemeinsam feiert“.

Jetzt muss ich mal etwas ausholen: Du hast erzählt, du warst schon als Kind vom Fastnachtsvirus infiziert, immer auf der Fastnacht dabei, bist jetzt über 25 Jahre an mehreren Fronten schwer in eurem Verein aktiv, auch auf der Bühne. Mittlerweile hast du als Abteilungsleiter Karneval 365 Tage im Jahr Fastnacht um die Ohren. Und wolltest schon immer mal auf der Dieburger Fastnacht mitmachen. Mal ehrlich: Mit dieser Personalakte hättest du bei uns längst Prinz werden können. Wohnst du vielleicht im falschen Ort? Hast du schon mal über einen Umzug nachgedacht?

„Ja, ich bin ein echter Fastnachtsfanatiker und liebe die fünfte Jahreszeit. Die Stimmung über die tollen Tage und über das Jahr verteilt, wenn es sich um die Fastnacht dreht, ist einfach toll. Ich bin übrigens in Dieburg geboren, aber mein Herz schlägt in und für Eppertshausen, gerade was die Fastnacht anbelangt. In unserem schönsten Fastnachtslied lautet eine Zeile im Refrain: „Niemals geh ich wieder von hier fort, aus diesem schönen Ort, ach Eppertshausen kleiner Ort wie lieben wir Dich sehr!“ Das trifft Hundert Prozent auf mich zu und deshalb würde ich auch nicht wegziehen, egal wohin. Ein eigenes Prinzenpaar, wie ihr es in Dibborsch habt, ist schon eine tolle Sache. Ich hoffe, wir haben irgendwann mal auch ein Prinzenpaar in Eppertshausen. Vielleicht habe ich ja da die Chance ein Prinz zu sein. Denn wenn ich einer werden wollen würde, dann bei meinem FVCA“.

Warum gibt’s in Eppershausen eigentlich kein Prinzenpaar? Nach 44 Jahren Fastnacht, wird’s da nicht langsam mal Zeit?

„Das weiß ich auch nicht so recht. Es stand irgendwie noch nie zur Diskussion. Vielleicht ist es einfach auch viel Aufwand. Ich fände ein Eppertshäuser Prinzenpaar jedenfalls gut“.

Letzte Frage, Eric: Unsere Prinzenpaare bleiben ja erst mal geheim und werden Fastnachtsonntag am Bahnhof empfangen, das ganze Narrenvolk versammelt sich dort. Ehe die beiden bekannt werden, gibt’s immer vom Ansager kurze Hinweise auf Prinz und Prinzessin. Die bringen einem zwar auch nicht wirklich weiter, sind aber witzig. Zwei der Hinweise drehen sich um deren Lieblingsspeise und Lieblingsgetränk. Ganz spontan: Was würden wir da bei dir als Prinz zu hören kriegen?“

„Lasagne. Und Äppler“. 🙂

Eric, danke fürs Gespräch, ich wünsche dir und deinem „Kappen-Klub“ eine erfolgreiche Jubi-Saison. Und allen viel Spaß beim Umzug in Dibborsch. Man sieht sich 🙂

„Gerne! Ich wünsche euch auch im Namen des gesamten FVCA Eppertshausen für die Zukunft immer eine wunderschöne Fastnachtszeit in eurem Dibborsch und grüße euch – ausnahmsweise – mit einem dreifach Helau!“ 🙂

 

Zur Person:

Eric Seib (41), geboren in Dieburg, wohnt in Eppertshausen, Familienvater, Fastnachtsverrückter. Wollte schon als Kind immer Fastnacht auf der Bühne feiern. Seit 2013 Abteilungsleiter der FVCA Eppertshausen, davor mehrere Jahre im Vorstand tätig, u. a. Leiter Deko-Ausschuss. Mischt im Männerballett mit und mit 23 aktiven Jahren dienstältester Tänzer, zudem Elferrätler. Bühnenerfahren auch durch Auftritte mit den „Abteiwätzen“, den „Knallbömbchen“ und der Showtanzgruppe sowie als Bühnenregisseur.

Das Interview wurde am 23.1.2017 geführt.


Weitere Infos zum karnevalistischen Treiben der FVCA gibt’s unter fvca-eppertshausen.de.

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