KVD-Präsident Günter Hüttig

„In meinem Geburtsjahr war Rosenmontag am 22.2.“ – Interview mit KVD-Chef Günter Hüttig

Seit Ende Juni vergangenen Jahres leitet Günter Hüttig den Dieburger Karnevalverein (KVD). Auf der Jahreshauptversammlung wurde er zum Nachfolger von Friedel Enders gewählt, der den Vorsitz zwölf Jahre innehatte und für das Amt nicht mehr angetreten war.

Mittlerweile hat sich Hüttig in die Arbeit an der Vereinsspitze eingefunden und weiß, dass er dabei auf Unterstützung durch vereinserfahrene Mitstreiter und einen funktionierenden Vorstand zählen kann. Den KVD möchte er öffnen und transparent machen, durch aktives Zuhören und offene Kommunikation. Auch der verstärkte Kontakt zur Jugend ist eines seiner Anliegen. Neuen Ideen steht er aufgeschlossen gegenüber.

Den Präsident kennen die Äla-Freunde auch in einem weiteren Amt – als „Günter II., Grand Seniör de Kebb de Wää – vun de Äla-Technikää“ war Hüttig in der vergangenen Kampagne zum Fastnachtsprinzen gekürt worden. Seine Doppelfunktion hat er nun noch bis Fastnachtsonntag inne, ehe er selbst seinen Nachfolger im Prinzenamt proklamiert.

Neben der Narretei gehören Luftbildfotografie und Ski fahren zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen des Vereinschefs. Und wenn im Sommer wieder mal mehr Zeit ist, fährt er gerne mit seinem Motorrad (Foto).

Ehe der „Präsi“ wieder ausgedehnte Bikertouren unternehmen kann, liegt erst einmal die heiße Phase der Karnevalszeit vor ihm und die damit verbundenen öffentlichen Ereignisse und Aufgaben. Und auf die freut er sich schon, sagt er in einem Interview, das ich in dieser Woche mit ihm geführt habe…

Fastnacht steht vor der Tür und für dich als Vereinspräsident sind damit einige Auftritte und Reden verbunden, ich denke zum Beispiel an den Närrischen Empfang mit Vergabe der „Holzisch Latern“. Schon nervös?

„Und nicht zu vergessen erstmals als Prinz sowohl Kinderprinzenpaar als auch Prinzenpaar proklamieren. Nein, nervös bin ich vorab nicht, ich freue mich darauf. Die Nervosität stellt sich fünf Minuten vor dem Auftritt ein und legt sich mit dem ersten Lacher. Besonders freue ich mich auf die Proklamation meines ersten Kinderprinzenpaares am 21.1. 🙂 Der interessierte Leser wird den mindestens dreifachen Grund meiner Freude hierfür erlesen können“.

Letztes Jahr wurdest du zum Nachfolger von Friedel Enders als Vorsitzender gewählt. Was genau hat dich bewogen, dieses Amt ausüben zu wollen? Wo lag der Reiz?

„Ich bin in Dieburg schon seit über 10 Jahren ehrenamtlich aktiv. Erst im Ruhebäumchen, dann in der Marienschule, in der Goetheschule und dann in der ADS. Ich hatte einfach mal Lust, mit anderen Berufsgruppen zu tun zu haben. Das war, bevor ich wusste, wie viele Pädagogen in der Fastnacht aktiv sind 🙂 Nein, im Ernst, ich liebe es mit den verschiedensten Menschen mit all ihren Eigenheiten und Stärken und trotz manch alter Geschichten, mit Spaß gemeinsam an einer Sache zu arbeiten und das für die Sache Beste von jedem Einzelnen zu fordern und zu fördern. Auch wenn diejenige oder derjenige, besonders der jüngeren, das noch gar nicht selbst weiß“.

Seit deinem Amtsantritt ist ein gutes halbes Jahr vergangen. Hast du dich in den Job an der Vereinsspitze eingefunden und dir einen Überblick verschafft? Bei einem großen Verein wie dem KVD mit rund 1800 Mitgliedern und vielen Abteilungen stelle ich mir das nicht unbedingt einfach vor…

„Ich habe mich eingefunden, wurde ich doch schon deutlich vor der Wahl immer geführt, was ich am besten zu tun habe, wenn ich gewählt werde. Das ist bitte leicht ironisch zu verstehen. Eins kann ich sagen, 111 Tage Einarbeitungszeit sind rum, wir sind mitten drinnen und haben neben der Fastnacht 2018 schon das Sommerfest, das Marktplatzfest, das Oktoberfest und sogar das Bühnenbild 2019 in Planung. Ja, ich kann sagen, ich bin angekommen und kann mich dabei jederzeit auf die Unterstützung vereinserfahrender Mitglieder und einen funktionierenden Vorstand verlassen“.

Wie in der Presse zu lesen war, willst du den Verein in den nächsten Jahren weiter verjüngen, suchst dazu verstärkt Kontakt zur jungen Generation und denkst an die Einrichtung eines Jugendwartes. Für die Kinder-Fastnacht wird schon immer sehr viel im KVD getan, mit großem Erfolg, und für Erwachsene ja sowieso. Aber für die Kids dazwischen, wenn sie für die Kinder-Fastnacht zu groß sind und für die Großen noch zu jung, ist da nicht eine Lücke, wo einige doch abspringen? Ist das ein Thema, das im Verein lange Zeit verschlafen wurde?

„Einige der Ideen wurden im Verein schon versucht. So zum Beispiel auch das Thema Halten und Begeistern der Jugendlichen, die zwischen der Kindersitzung und der großen Sitzung stehen. Aber Sitzungen sind nicht alles. Der Verein hat Abteilungen, in denen mitgearbeitet werden kann, wir haben Arbeitskreise, die offen stehen und arbeiten an weiteren Ideen. Ja, auch ein Jugendwartteam kann funktionieren, gerne auch als ein Tandem mit Jung und Alt. Ich bin der Überzeugung, dass manches sich erst entwickeln muss und man ggf. eine gewisse Frustrationsgrenze haben muss, um durchzuhalten. Wenn nur einer beim Lesen des Artikels Lust hat, intensiver oder neu in die Verantwortung einzusteigen, dann hat sich das schon gelohnt. Immer anrufen, mailen oder Chatmessages schreiben. Ich möchte den Verein öffnen, transparent machen, durch offene Kommunikation, aktives Zuhören und Türen öffnen. Denn genau das hat auch mir den Einstieg in den Verein ermöglicht. Einiges muss und wird dabei natürlich weiterhin strengstens geheim bleiben“.

Weil wir gerade bei der Jugend sind – spontaner Richtungswechsel: Was hältst du von einem Ü70-Seniorenprinzenpaar für den KVD? Manche großen wie auch kleine Vereine gehen dazu über, speziell für die ältere Generation eigene Prinzenpaare zu küren, neben ihren bisherigen…

„Immer her mit neuen Ideen, das kommt mit in die Sammlung, neben der Idee einer Sitzung vor dem Klo, hier kommen dann die in der Klausur gestrichenen Witze vors Publikum 🙂 und der Idee einer Partysitzung. Ich nehme die Ü70-Idee mal mit und schlage unserem Aktivenbeirat vor, das in einem neu zu gründenden Arbeitskreis in Zusammenhang mit einer Oaldensitzung zu beleuchten“.

„Fastnacht ist eine ernste Sache“ – das ist immer wieder mal zu hören oder zu lesen. Kannst du das unterschreiben? Und wenn ja, warum?

„Ich verstehe die Frage jetzt mal absichtlich falsch. Ja, ich denke spätestens, wenn es zum Beispiel um Themen wie Verträge, Zugwegsicherheit, Versicherungen und Finanzen geht, wird ganz schnell klar, dass wir nicht nur von der Bilanz her ein mittelständiges Unternehmen mit all den damit verbundenen Verpflichtungen und Risiken sind. Und um die Frage hinter der Frage zu beantworten: ja, auch in der Berücksichtigung der einzelnen Interessen und Befindlichkeiten von Menschen ist die Fastnacht immer schon eine ernste Sache gewesen. Jeder will ernst genommen werden, was oft ein nicht zu unterschätzendes Maß an Diplomatie und Fingerspitzengefühl verlangt“. 🙂

In deinem Geburtsjahr, so sagtest du mir vorab, war der Rosenmontag am 22.2. – schöne, kleine Zahlenspielerei, Günter. Auch wenn du es etwas verschleierst, ich weiß es: das war 1971. Jetzt drehe ich den Spieß mal um und hab für dich was zum Rätseln: Prinzenpaar in dem Jahr waren Günter Schlett (+) und Doris Münz. Weißt du, welche Besonderheit das Prinzenpaar in dem Jahr hatte?

„Touche!! Sorry, da habe ich keine Ahnung. Mir ist nur ganz vereinzelt mal bekanntgegeben worden, dass Bernd Wolfenstädter in meinem Geburtsjahr Kinderprinz war. Das geht mit einem Augenzwinkern in Richtung BeWo“.

Ja, BeWo war mal Kinderprinz. Ich meine aber etwas anderes: 1971 gab’s das erste Prinzenpaar, dessen Amtszeit drei Tage dauerte, also von Sonntag bis Dienstag, wie heute. Davor wurde das Prinzenpaar erst am Dienstag abgeholt und hatte daher nur einen Tag bzw. nur wenige Stunden Amtszeit.

Was machst du eigentlich im richtigen Leben, damit zuhause der Schornstein raucht? Ich hab‘ mal gegoogelt und das gefunden: „Günter Hüttig ist Partner Manager Cloud / IT Sales Partner Geschäftskunden bei Telekom Deutschland, betreut Distributoren in der Vermarktung Cloud basierender Produkte“, dann steht da noch was von Infrastrukturservice, Software Integration und Consulting, Marketing, zertifizierter Projektleiter und was weiß ich noch alles. Ehrlich – das kapiert ja kein Mensch. Im Klartext: Was machst du beruflich? Erkläre es bitte so, dass es auch ein 7-Jähriger versteht…

„Jetzt machst Du einen. Diese Frage zu beantworten, versuche ich seit 30 Jahren mit mäßigem Erfolg. Nach 22 Minuten Erklärung hilft in Dieburg dann meist der Abschluss „Ich schaff‘ bei der Post, hab in der IngAk studiert und kenn‘ mich trotzdem ganz gut mit Handys, Computern und der Wolke aus“.

Meine Frau sagt immer: „Wer bei der Telekom schafft, der schwätzt auch gerne und redet wie ein Wasserfall, ununterbrochen, die müssen das da können, das gehört bei der Telekom einfach dazu, sonst werden die gar nicht eingestellt“. Hat meine Frau recht? 😊

„Gut, Telekom trifft es schon genauer. 🙂 Ja, Berti, ich bin auch verheiratet. Welcher auch nur halbwegs gescheite Mann wird widersprechen, wenn das wissende Geschlecht über „viel reden“ spricht? Ich bin ein geselliger Mensch und miteinander reden gehört dazu, wenn man Menschen kennenlernen will. Mein Lieblingsspruch hierbei ist aber „Wenn du redest, wiederholst du nur, was du schon weißt. Aber wenn du zuhörst, lernst du vielleicht etwas Neues“ – das stammt wohl vom Dalai Lama und trifft es auf den Punkt“.

Du gehörst seit 2004 der Fastnachtsgruppe „Wäkebb“ an, arbeitest im KVD-Technikteam mit, im letzten Jahr hat man dich zum Fastnachtsprinzen Günter II. gemacht und kurze Zeit später zum Vereinspräsident gewählt – eine recht steile Karriere, sag‘ ich mal. Was ist deine nächste Station? Vielleicht als Bürgermeister ins Rathaus einziehen?

„Nein, auch wenn das Gerücht schon mal aufkam, als ich streitbarer Schulelternbeiratsvorsitzender war. Ich habe jetzt erst einmal drei Jahre KVD-Vorstand auf dem Plan und dann werden die Mitglieder entscheiden, wie es weitergeht“.

Worauf freust du dich nach Fastnacht am meisten?

„Auf die gemeinsame Zeit mit Freunden im und außerhalb des KVD, auf viele tolle Menschen, die es gilt noch kennenzulernen und ganz besonders auf ein entspannteres gemeinsames Jahr als Ex-Prinzenpaar“.

Jou. Günter, ich wünsche dir eine schöne Fastnachtszeit, ein glückliches Händchen bei der Vereinsarbeit, bring‘ frischen Wind in unseren KVD, hab‘ aber auch immer ein Auge auf die Traditionen rund um unsere Fastnacht. 🙂

„Auch das möchte ich betonen, die Tradition und die Erfahrung aller Beteiligten sind für mich ganz gewiss immer die elementare Grundlage für die weitere Arbeit. Danke für das Interesse an mir und auch vielen Dank für die fantastische Arbeit, die Du hier leistest, Berti.“

Zur Person:

Günter Hüttig, Jahrgang 1971, aufgewachsen in Jügesheim, wohnhaft in Dieburg. Verheiratet, hat Sohn und Tochter. Studierte von 1992 bis 1996 an der „IngAk“, kam dadurch zur Fastnacht. Dipl.-Ing. im Telekom-Partnervertrieb. KVD-Präsident seit Juni 2017, Angehöriger im KVD-Technikteam, seit 2004 in Reihen der „Wäkebb“. 2017 zum KVD-Prinzen Günter II. gekürt. Neben der Narretei gehören Motorrad fahren, Multikopter und Ski fahren zu seinen Hobbys.

(Foto: Patrick Liste)

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