Narren-Lexikon

Eine Wissenschaft für sich: Närrische Begriffe

narrenlexikon_allgemein

Warum ist die 11 Symbolzahl der Narren? Wie errechnet sich der Fastnachtstermin? Woher stammt der „Äla“-Ruf? Was ist ein Domino? Und woher stammen die vier Fastnachtsfarben? Und, und, und … Auf dieser Seite habe ich die wichtigsten Begriffe rund um die fünfte Jahreszeit zusammengetragen. Die Rubrik erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und alleinige Richtigkeit, denn bei manchen Dingen ist die Herkunft oder Bedeutung nicht genau klar oder es gibt mehrere Erklärungen. Für Hinweise und Ergänzungen usw. bin ich deshalb dankbar.

 

11 als Symbolzahl

Es gibt eine Reihe von Zahlen, denen vonseiten der Religion eine besondere symbolische Bedeutung beigemessen wird. Die 11 gilt dabei als Zahl der Maßlosigkeit, der Sünde, als teuflische Zahl. Sie überschreitet nicht nur das, was anhand der zehn Finger menschlicher Hände, sondern auch in der Zahl der gottgegebenen „Zehn Gebote“ fassbar ist. Der Bezug zur Fastnacht als einem Fest, bei dem es ausgelassen und nicht immer gerade sehr christlich zugeht, ist insofern leicht herzustellen.

Darüber hinaus ist die 11 auch eine „Schnapszahl“, die als solche Symbolzahl der Narren sein kann.

Bei der Wiederbelebung des rheinischen Karnevals Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die 11 als Zahl interpretiert, die die Gleichheit aller Menschen unter der Narrenkappe versinnbildlicht, sozusagen eins neben eins. Dahinter steht der Anfangsbuchstabe E des Schlagwortes Egalité (Gleichheit), der zusammen mit den Anfangsbuchstaben der beiden anderen Parolen der Französischen Revolution, L für Liberté (Freiheit) und F für Fraternité (Brüderlichkeit), das Zahlwort ELF ergibt.

Die Tatsache, dass die Fastnachtssaison am 11.11. eröffnet wird, hängt möglicherweise auch mit einem 40-Tage-Rhythmus zusammen, der im Jahreslauf zwischen bestimmten Festen regelmäßig auftritt. Vom 11. November, an dem auch St. Martin gefeiert wird, sind es genau 40 Tage bis zum Winteranfang, der zeitlich fast mit Weihnachten zusammenfällt. Am 11. November begann früher das 40tägige Weihnachtsfasten. Von Weihnachten an sind es wiederum 40 Tage bis zum Festtag Maria Lichtmeß (2. Februar), der zugleich im Kalender der frühest mögliche Termin für den Fastnachtsdienstag ist, den Vortag der Fastenzeit. Noch einmal trennen Fastnacht 40 Tage von Ostern, dem wiederum 40 Tage später Christi Himmelfahrt folgt.

Nach einer anderen Deutung ist der 11.11. der Tag, an dem in früheren Zeiten die landwirtschaftlichen Betriebe ihre Arbeit bis zum Frühjahr einstellten. Knechte und Mägde bekamen an diesem Tag ihren Lohn ausgezahlt und feierten mit dem Geld ein ausgelassenes Fest.

Äla

Im November 1935 wurde der Schlachtruf „Äla!“ in Dieburg eingeführt. Bis dahin war es üblich, „Hoch!“ oder „Hurra!“ zu rufen. Im Rheinland war man damals dazu übergegangen, „Helau!“ zu rufen. Da die Dieburger dies nicht nachahmen wollten, suchte und fand man in einem uralten Dieburger Fastnachtslied den Vers: „Die Äla, die Äla, die Äla unn die Gänsercher, die häwwe lange Schwänzercher“ – und kürte daraus den Ruf „Äla!“.

Äla-Uffweck-Owend

Bild am Fastnachtsbrunnen

Der Äla-Uffweck-Owend ist die traditionelle Auftaktveranstaltung der Dieburger Karnevalisten am 11.11., also der Start in die fünfte Jahreszeit. Vereinsfastnachter, Gunkespaar, Tollitäten, Prinzengarde und viel närrisches Volk treffen sich (meist am Abend) am Fastnachtsbrunnen in der Stadt und „wecken die Fastnacht auf“. Als symbolischer Akt wird dabei die „Holzisch Latern“ angezündet. Die Auftaktveranstaltung geht in der Regel mit einer anschließenden oder Saal- oder Freiluftveranstaltung einher.

 

Aschermittwoch

Der Aschermittwoch markiert im Christentum den Beginn des 40-tägigen Fastens und soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus in der Wüste verbracht hat. Der Name kommt vom Brauch, die Asche von Palmen des Palmsonntags des Vorjahres zu weihen und die Gläubigen auf der Stirn mit einem Kreuz aus dieser Asche zu zeichnen. Asche ist das Symbol der Vergänglichkeit und das zentrale Symbol des Aschermittwochs. Mit dem Aschekreuz bekunden die Gläubigen die Bereitschaft zur Umkehr und zu einem Neubeginn.

Der Aschermittwoch beendet zugleich die Karnevalszeit, in der ausgelassen gefeiert wurde. Die Fastenzeit soll die Christen wieder zu sich selbst führen. Wenn sie diese Zeit richtig nutzen, besser gesagt, vielleicht richtig leben, und sich auf das Angebot dieser Wochen einlassen, dann kann sich ih ihrem Leben manches verändern. Die Zeit vor Ostern will helfen den oft getrübten Blick wieder klarer werden zu lassen und vielleicht in einen ungesunden Halbschlaf verfallenes Bewußtsein wieder zu wecken und zu schärfen. Nach alten Überlieferungen soll der Teufel an Aschermittwoch aus dem Paradies vertrieben worden sein.

Bajazz

Bajazz in Gelb

Der „Bajazz“ (auch Bajass) mit Laterne, eine der Traditionsfiguren des KVD und der Fastnacht allgemein, ist eine Art Clownsfigur, die vom Bajazzo des italienischen Volksspiels abstammt (ital. pagliaccio = ‚Strohsack‘, ‚Hanswurst‘).

Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Figur (ähnlich wie auch der Domino, s.u.), inspiriert von der italienischen Stegreifkomödie, nach Süddeutschland und hielt später im Karneval Einzug. Mit seinem respektlosen Auftreten symbolisiert die Figur, vergleichbar mit Till Eulenspiegel, das Sich-Hinwegsetzen über die Obrigkeit und die kurzzeitige Freiheit einfacher Bürger. Der Bajazz trägt eine hohe Zipfelmütze, Halskrause und ein weites Gewand, oft in gelb und schwarz gehalten oder mit Rautenmuster, ähnlich dem Pierrot.

 

Bütt

Foto zeigt eine Bütt der Karnevalisten

Die Bütt ist das Rednerpult des Vortragenden und quasi närrisches Hoheitsgebiet, auf dem er die vielzitierte Narrenfreiheit genießt. Bereits im Mittelalter hat der Narr Abweichungen von der Norm kritisiert. Ihrer Herkunft nach ist die Bütt ein halbes, nach hinten geöffnetes Weinfass: Ohne Wein keine Fastnacht und bekanntlich soll im Wein ja auch Wahrheit liegen.

Ein anderer Erklärungsversuch ist, die Bütt aus der Waschbütte, dem Waschfass abzuleiten. Im Karneval wird die schmutzige Wäsche in Form der Büttenrede gewaschen: Der Redner kritisiert in humorvollen Reimen Gesellschaft und Politik.

Aber auch Gedanken an Diogenes, den griechischen Denker, der seine Philosophie aus einem Fass verkündete, liegen nahe. Vielleicht hat man deshalb im Laufe der Zeit der Bütt das Aussehen einer Eule, dem Vogel der Weisheit, gegeben.

Büttenrede

Die Büttenrede geht auf alte Form des „Rügerechts“ im Mittelalter zurück, wo der einfache Bürger in der Fastnachtszeit ungestraft seine Meinung sagen durfte. Bei Fastnachtssitzungen ist dies eine Symbolfigur der jeweiligen Gesellschaft (Protokoller, Till, …) die aus der Bütt meist in gereimter Form komische Vorfälle, Unsinnigkeiten, Fehlverhalten und Missstände aus Gesellschaft, Kultur und Politik anklagt und mit diesen ins Gericht geht. Mit Beginn der organisierten Sitzungsfastnacht in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts sind die Büttenreden in der heutigen Form nachweisbar.

Domino

Domino in Blau

Eine der ältesten, bekannten Fastnachtsverkleidungen, die in ihren Grundzügen (wie auch der Bajazz) aus der italienischen Stegreifkomödie stammt, im 18./19. Jahrhundert von dort nach Süddeutschland gelangte und Eingang in den Karneval fand.

Ein Domino ist ein wadenlanger, meist schwarzer, seidener Umhang mit aufrecht stehender Kapuze. Dazu trägt man eine samtene Halblarve mit Tuch. Es soll einen besseren Herren darstellen.

Ursprünglich gehörte der (bzw. das) Domino zur Kleidung italienischer Geistlicher. Ab dem 16. Jahrhundert wurde er jedoch auch häufig als verhüllende Verkleidung gebraucht, wenn man heimlich zu einem Rendezvous ging. Sowohl das Kleidungsstück selbst, als auch sein Träger bezeichnete man damals als ‚domino‘ (von lat. dominus = Herr).

Elferrat

Soll auf die französische Revolution zurückgehen. Er stellte ursprünglich eine Persiflage auf die Revolutionstribunale dar und sollte in der Zeit der Besetzung des Rheinlandes Forderungen als Narreteien aufzeigen. Seinen Namen soll der Elferrat von der Abkürzung „ELF“ für egalité, liberté, fraternité“, dem Motto der französischen Revolution, haben.

Fastnacht (Fasnet, Fasching, Karneval)

Der Name Fastnacht bezeichnet ursprünglich nur den Dienstag vor Aschermittwoch. Im Zuge der Sprachentwicklung wurde er jedoch auf die ganze Festzeit übertragen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Festen trägt das Kalenderfest unmittelbar vor der Fastenzeit verschiedene Namen. Die üblichen Begriffe im Hochdeutschen sind Fastnacht, Fasching und Karneval. Darüber hinaus gibt es je nach regionalem Dialekt aber auch Ableitungen und Sonderformen wie zum Beispiel „Fasnacht“, „Fassenacht“ oder die alemannische „Fasnet“.

Das Wort Karneval, das sich im Spätmittelalter über verschiedene Zwischenformen herausgebildet hat, hat seine Wurzeln in der lateinischen Sprache. Es setzt sich zusammen aus den Wörtern „caro“ (Fleisch) und „elevare“ (aufheben). Der Name Karneval bedeutet also nichts anderes als die „Aufhebung“ oder die „Wegnahme des Fleisches“. Er verweist damit auf die bevorstehende Fastenzeit, in der zumindest in früherer Zeit der Verzicht auf Fleischnahrung neben sexueller Enthaltsamkeit im Vordergrund stand.

Nicht nur in Deutschland begegnet man der Bezeichnung Karneval für die närrischen Festtage. Man findet sie mit geringfügigen Abweichungen im ganzen romanischen Sprachraum. Das deutsche Wort Fastnacht hat seine sprachgeschichtliche Herkunft aus dem Wort Fasten und nimmt damit ebenso Bezug auf die bevorstehende Fastenzeit wie die Bezeichnung Karneval.

Im engeren Sinne nur auf den Dienstag vor Aschermittwoch bezogen, ist mit Fastnacht der Vortag bzw. der Vorabend zur Fastenzeit gemeint, der auf die kommende Periode einstimmen soll. Auch andere christliche Feste werden traditionell am Abend vorher eingeleitet wie z. B. Weihnachten durch Heiligabend.

Fastnachtsdienstag

Der Fastnachtsdienstag bildet den Abschluß der närrischen Tage. Er wird daher auch in manchen Gegenden „Kehraus“ genannt. Gebräuchlich sind aber auch Namen wie „Narrenfastnacht“, „Laienfastnacht“ – im Gegensatz zur „Pfaffenfastnacht“ am Sonntag – oder auch „rechte Fastnacht“. In einigen ländlichen Regionen wurde er früher auch „Schnitzdienstag“ genannt, weil die bäuerliche Mahlzeit an diesem Tag aus gedörrten Birnenschnitzen und Speck bestand.

Am Fastnachtsdienstag wird noch einmal kräftig gefeiert. In manchen Orten findet erst an diesem Tag der Fastnachtsumzug statt: Dieburg – na klar 🙂

In einer zunehmend säkularisierten Umwelt wird der Dienstagabend heute kaum noch als Vorabend zu Aschermittwoch und damit als Eintritt zur Fastenzeit empfunden, sondern eher als Ende einiger schöner, lustiger Tage. Man feiert daher bis spät in die Nacht. In früheren Zeiten wurde seitens der Kirche Wert darauf gelegt, dass bis 24.00 Uhr das Fastnachtstreiben beendet sein musste.

Weit mehr als heute verbreitet waren daher auch sogenannte Fastnachtsabschlussbräuche. In einigen Gegenden haben sie sich aber noch bis heute erhalten. Fastnachtsabschlussbräuche gab und gibt es vor allem dort, wo eine Symbolfigur der Fastnacht existiert. Am Fastnachtsdienstag gilt es, sich ihrer zu entledigen. Sie wird daher öffentlich verbrannt oder in einer „feierlichen“ Zeremonie zu Grabe getragen. Die Fastnachter und Narren tragen dabei häufig ein äußeres Zeichen der Trauer wie schwarzer Schleier, schwarzer Hut oder Zylinder oder Kränze. Die Trauer selbst ist selbstverständlich nur gespielt. Eine interessante Variante der Begräbniszeremonie ist das Begraben des Geldbeutels oder die Geldbeutelwäsche als Säuberungs- und Läuterungsaktion.

Zu den sonstigen Abschlußbräuchen gehört die Rückgabe des Narrenrechts bzw. die Beseitigung von Rechtszeichen. Dazu gehört zum Beispiel die Rückgabe des Rathausschlüssels. Dort, wo ein Narrenbaum gesetzt wurde, wird er am Fastnachtsdienstag gefällt oder versteigert.

Fastnachtsfarben (Rot, Weiß, Blau und Gelb bzw. Rot, Weiß, Grün und Gelb)

narrenlexikon_fastnachtsfarben

Die vier Fastnachtsfarben Rot-Weiß-Blau-Gelb sind schon seit den ersten Fastnachtsjahren in Mainz nachweisbar, ohne dass man Herkunft und Bedeutung der Farben genau kennt. Dort soll im Jahre 1840 ein Büttenredner seine Narrenkappe in den Saal geschwenkt und dazu gereimt haben: „Weiß ist die Reinheit unserer Absicht, dein Gelb ist das Sonnengold unserer Herzen, dein Rot ist die Feuerfarbe unserer Gedankenbilder, dein Blau ist der Azurhimmel unserer Freudigkeit.“ Es war dies eine poetisch-romantische Beschreibung mit momentanem Unterhaltungswert, aber ohne jeden realen Bezug.

Eine durchaus interessante Deutung weist auf die Trikolore der französichen Revolution mit den Farben Blau-Weiß-Rot hin, die um die Farbe Gelb erweitert wurde. Bekanntlich wurden die ersten Narrenkappen nach dem Vorbild der Jakobinermütze gefertigt, die eine Kokarde in den Farben Blau-Weiß-Rot aufwies. Gelb könnte als alte Kirchenfarbe oder als eine der Farben, die im Kostüm der Clowns und Harlekine dominierten, eingebracht worden sein. Übrigens: Wichtig für den Fastnachter ist, dass Blau in dem Vierfarbbanner enthalten ist, denn kaum ein anderes Wort reimt sich besser auf Helau.

Der Umstand, dass andernorts – so auch in Dieburg – Grün anstatt Blau Verwendung findet, lässt sich nicht genau begründen. Dies geschah wohl aus der Überlegung, eine gewisse Eigenständigkeit zu erzeugen bzw. um sich von der Fastnacht im Rheinland etwas abzugrenzen.

Fastnachtstermin

Der Fastnachtstermin ist abhängig vom Ostertermin, der (seit dem Konzil von Cicäe im Jahr 325) einen festen Termin hat, nämlich den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsbeginn am 21. März. Also kann Ostern frühestens am 22. März sein und hat somit 35 mögliche Termine. Folglich hat auch die Fastnacht bzw. der Beginn der Fastenzeit 35 mögliche Termine, sind also, wie viele Feiertage auch, bewegliche Tage. Sie fallen selten auf ein gleiches Datum (wie z. B. der 11.11.). Um 600 führte Papst Gregor I. eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat. Nach dieser Regelung begann die Fastenzeit am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern. Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch. Oder anders ausgedrückt: Aschermittwoch ist 46 Tage vor Ostern. Dementsprechend sind die drei Tage davor die Fastnachtstage.

Noch bis ins 16. Jahrhundert existierten beide Fastnachtstermine, die alte „Bauernfastnacht“ und die neue „Herren-“ bzw. „Pfaffenfastnacht“ konkurrierend nebeneinander. Heute ist es oft so, dass katholische Gegenden die Fastnacht vor dem Aschermittwoch, protestantische Gegenden nach dem Aschermittwoch feiern. Insbesondere im badischen Raum als auch in der Schweiz haben sich viele Bräuche der alten Fastnacht erhalten. Am bekanntesten davon ist sicherlich die Basler Fastnacht. Diese beginnt am Montag nach Aschermittwoch um 4.00 Uhr mit dem sog. Morgenstraich und endet am folgenden Morgen, ebenfalls um 4.00 Uhr.

Hier kannst du dir die Fastnachtstermine bis 2030 ansehen.

Guggenmusik

Guggenmusiker

Die Guggenmusik ist im Süden Deutschlands und der Schweiz verbreitet, erfreut sich aber auch in anderen Gegenden zunehmender Beliebtheit. Dabei handelt es sich um Blechmusik, die zum Teil auch auf selbst hergestellten Instrumenten gespielt wird und sich schräg und falsch anhört, aber das ist (mehr oder weniger) Absicht. Ob man sein Musikinstrument beherrscht oder nicht, ist deswegen eher zweitrangig. Da aber auch immer mehr Leute, die „ordentliche“ Musik machen, Lust haben, bei diesen fastnachtlichen Kapellen mitzuspielen, ist es gar nicht so einfach, den Guggenmusikcharakter zu erhalten, so dass bei einigen Formationen das Falschspielen regelrecht geprobt werden muss.

Heute wird die Musik im Allgemeinen durch flotte, oft lateinamerikanische Rhythmen bestimmt. Sobald dieser Rhythmus ertönt, geht die Post ab. Gespielt werden Stücke aus allen Bereichen, einfach alles, was gut abgeht – außer Blasmusik im eigentlichen Sinne. Eine weitere Besonderheit sind die meist futuristischen Kostüme. Die äußerst fantasievollen Kreationen sind oft mit silber-, gold- oder andersfarbigen Glitzerstoffen versetzt. Dazu kommt eine meist wilde Gesichtsschminke. In der Schweiz, wo die Guggenmusik eigentlich herkommt besitzen die meisten Guggen überproportionale Masken. Die Maske oder manchmal auch das ganze Kostüm des „Dirigenten“ sticht jedoch immer noch heraus.

Für die Entstehung des Wortes „Guggenmusik“ gibt es unterschiedliche Erklärungen. Zum einen heißt es, dass das Wort „Gugge“ von dem Wort „Papiertüte, konischer Briefsack oder allgemein Tüte“ abstammt, in die man hineinbläst. Eine andere Erklärung ist die, dass Gugge „kleine Kindertrompete“ bedeutet. Gugge kann aber auch „schreien“ bedeuten. Was die Herkunft des Worts betrifft, scheint es, dass es vom Ruf des Kuckucks (Guggug, verküzt in Gugg) abgeleitet wurde.

Gunkes und Bawett

narrenlexikon_gunkes_und_bawett_2004

Verrer Gunkes und seine Frau Bawett sind Urgestalten der Dieburger Fastnacht. Während Gunkes (auch Verrer Gunkes genannt) vor über 160 Jahren tatsächlich in Dieburg gelebt hat und als sog. Hochzeitslader wirkte, ist seine Frau Bawett erfunden. Der Verrer trug eine Hose ohne Bügelfalte, Wams oder Joppe, Halstuch und Kappe. Als männliche Zierde trug der Verrer einen Backenbart mit ausrasiertem Kinn, aber keinen Schnurrbart. Dies erinnert an eine Verordnung von 1851, wonach es den großherzoglichen Beamten untersagt war, andere Bärte als Backenbärte zu tragen. So kann man sich auch den Verrer Gunkes vorstellen, den wir als Urtyp der Dieburger Fastnacht bezeichnen können und der als Tradition bis heute gepflegt wird. Von Verrer Gunkes können wir annehmen, daß er die Zeit unter die Lupe nahm und gute und schlechte Taten seiner Mitbürger jährlich an Fastnacht zur Freude aller kundmachte. Wenn es in der närrischen Zeit galt, an der Spitze des karnevalistischen Umzuges zu gehen, so war der mit Humor begabte Verrer die geeignete Person. Die anderen Narren folgten unter dem Gesang: „Verrer Gunkes, gäihn mer aach mit, mit de Holzig Latern!“

Seit 1929 wird die Figur des Verrer Gunkes in den Fastnachtssitzungen des Karnevalverein Dieburg dargeboten. Zur Bereicherung des Vortrags wurde sein treues Weib Bawett erfunden und ihm seit 1937 zur Seite gestellt, das bis dahin nur in früheren Vorträgen Erwähnung fand. Gesprochen hat er natürlich die heimische Mundart, den Dieburger Dialekt.

Helau

Bis 1934 erklang zu Ehren der Mitwirkenden im Karneval ein „Hoch!“ oder „Hurra!“. 1935 brachten Mainzer Fastnachter das „Helau!“ von einem Besuch in Düsseldorf mit und führten es zuhause als Ruf ein. Seitdem ist es aber auch vielen anderen Orts gebräuchlich. Vermutlich ist Helau aus dem älteren Karnevalsruf „hell auf“ (= aufgeweckt) zusammengezogen worden. Volkskundler vermuten aber auch, dass es von dem kirchlichen Jubelruf „Halleluja“ abstammen könnte. Und andere sind der Ansicht, dass es von Hallo oder auch dem englischen Pandant Hello abgeleitet ist.

Heringsessen

Die Fastnacht oder auch Karneval (lat. „carne vale“ = Fleisch, lebe wohl) genannte Zeit war früher der Vortag von Aschermittwoch. Er beendet die Zeit, in der ausgelassen gefeiert wurde. Heute sind nur noch Karfreitag und Aschermittwoch so genannte strenge Fastentage, an denen die Katholischen auf Fleisch verzichten sollten. Daher ist als Brauchtum an Aschermittwoch in vielen Gegenden das Heringsessen üblich.

Der Fisch ist das älteste Symbol für Christus. Aus den Anfangsbuchstaben der griechischen Übersetzung von „Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter“ ergibt sich das Wort „Fisch“ (ICHTHYS). Zur Zeit der Christenverfolgung unter Nero erkannten sich die Christen untereinander am Fisch-Symbol. Nachdem nämlich Kaiser Nero den Brand Roms den Christen anlastete, mussten sie sich verstecken, um ihren Glauben leben zu können. Der Fisch zeigte ihnen den Weg in die Katakomben, in denen sie sich zu ihren Gottesdiensten trafen.

Hofballett (Gardetanz)

narrenlexikon_gardetanz

Wenn es in den Sitzungen heißt „Bühne frei für das Hofballett“, dann treten junge Damen in Erscheinung. Sie lockern die meist rhetorische Programmfolge auf – und das nicht nur optisch. Diese Fastnachts-Ballette haben ihren Ursprung in den französischen „Ballett-Maskeraden“ des 16. Jahrhunderts. Die wurden getanzt, während ein Ansager die Handlung erzählte und aus denen sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts das „Ballet de cour“ herausbildete, wie es seinen Höhepunkt am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. in Paris erlebte. Es bestand aus einem Chor zum Lob des Königs sowie aus Szenen, die entweder getanzt, gesungen oder akrobatisch dargestellt wurden. Hinzu kam ein allegorisches, nach Vorbildern der Antike gestaltetes Ballett, das der König oft persönlich anführte. Diese Tanzkultur wurde an deutschen Königs- und Fürstenhöfen nachgeahmt. Hier bestand im 18. Jahrhundert eine förmliche Hysterie, fränzösischer als die Franzosen zu sein. Von dort fand das Ballett Zugang zum Bürgertum und schließlich auch in den Karneval, der an und in den Residenzen zu Hause war, bevor er volkstümlich werden konnte.

Holzisch Latern

Holzisch Latern

Die „Holzisch Latern“ ist ein Karnevalspreis des KVD, nämlich die höchste externe Auszeichnung, die der Verein zu vergeben hat. Sie wurde 1982 erstmals verliehen. Es sollen Leute geehrt werden, die sich um das Brauchtum im Allgemeinen oder die Mundart im Besonderen verdient gemacht haben oder denen „sonst irgendwie ein Licht aufgegangen ist“. Als sichtbares Zeichen dieser höchsten Ehre entschloss sich der Vorstand damals für die Laterne – das Symbol des Bajazz und zugleich Sinnbild der Dieburger Fastnacht.

Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Närrischen Empfangs der Stadt Dieburg und des Karnevalvereins am Rosenmontag. Eine Auflistung aller bisheriger Laternenträger ist in der Rubrik „Archiv“ auf der KVD-Website nachzulesen.

Konfetti

Kommt von dem italienischen „confetti“ (Mehrzahl von „confetto). Mit diesem Wort werden in Italien Konfekt und andere Süßigkeiten bezeichnet. Im römischen Karneval bewarfen sich die Maskierten mit Zuckerkörnern und kleinen Bonbons. Heute fliegen außer den Bonbons, den „Guuzjen“, kleine bunte Papierschnipsel – das Konfetti.

Morgenstraich

In Basel in der Schweiz wird Karneval gefeiert, wenn sich die deutschen Narren schon davon verabschiedet haben. Am Montag nach Aschermittwoch um Schlag 4 Uhr morgens beginnt er mit dem „Morgenstraich“, der als Gegenstück zum militärischen „Zapfenstreich“ gesehen wird. Nachdem alle Lampen in der Stadt erloschen sind, ziehen zum Auftakt der drei närrischen Tage die trommelnden und pfeifenden „Cliquen“ (Fasnachtsgruppen) – begleitet von den Trägern der zahllosen beleuchteten Steckenlaternen – in ihren vielfältigen Kostümen und Masken vermummt, stundenlang durch die Gassen der Basler Altstadt, wobei von jeder Clique ein bestimmtes „Sujet“ (Thema) präsentiert wird.

Narr

Unter „Narren“ verstand man im Mittelalter Menschen, die sich außerhalb der herrschenden Gesellschaftsordnung bewegten und weder den christlichen Glauben, noch die kirchlichen Gesetze beachteten. Man unterschied zwischen „natürlichen Narren“ und „Schalknarren“. Natürliche Narren waren jene Menschen, die von Natur aus eine körperliche oder geistige Behinderung aufwiesen und damit nach Volkesmeinung von Gott gekennzeichnet bzw. bestraft waren. Schalknarren waren jene Personen, die sich berufsmäßig zur Unterhaltung von Publikum auf Straßen oder Jahrmärkten närrisch gebärdeten und in überzeichneter Form unzulängliches oder eigenwilliges Verhalten von Personen und/oder der Gesellschaft kritisch anprangerten.

Einige wenige dieser mittelalterlichen Narren betrieben ihr närrisches Wirken jedoch weniger aus Geltungsdrang, als vielmehr als ein Aufbegehren und Kritik gegen das damalige politische und geistige System. Till Eulenspiegel war z. B. einer jener „Systemkritiker“. Dieser Mensch war ein „homo emunctae naris“, ein Mensch mit scharfer Beobachtungsgabe, der seine Nase (lat. Naris) in alle Dinge steckt. Aus dem Althochdeutschen „narro“ entwickelte sich schließlich das neuhochdeutsche Wort „Narr“. Auch das spätlateinische Wort „nario“, der Spötter, könnte eine Rolle gespielt haben. Manche weltliche oder geistliche Herrscher hielten sich „Hofnarren“, die das „Ohr am Volk“ hatten und dessen Meinungen, Forderungen und Wünsche in kritischer und launiger Form ungestraft wiedergeben konnten.

Auch auf den Theaterbühnen waren oft pfiffige Narrengestalten zu finden. Dies war z. B. in der italienischen Commedia dell arte der „Arleccino“ (Harlekin) und der „Bajazzo“. Im vorigen Jahrhundert wandelte sich die Bezeichnung für jene Gruppe Menschen, die sich während der Fastnachtszeit in Gemeinschaften, Vereinen usw. dem Frohsinn und der Fröhlichkeit widmen.

Narrenkappe

In den Karneval eingeführt wurde die Narrenkappe kurioserweise von einem preußischen General. Der schrieb sie 1827 in Köln obligatorisch vor, damit man die von der Obrigkeit argwöhnisch beobachteten Narren leichter erkennen konnte. Andere Gegenden übernahmen dies dann später. Die Form der Kappen entsprach zuerst jener Mütze, die die Jakobiner der Französischen Revolution von 1789 trugen. Diese war ursprünglich die Kopfbedeckung der Leibeigenen und Sträflinge und wurde bei den Bastille-Stürmern zum Symbol der „Liberté“. Jetzt bedienten sich ihrer die nach „Narren-Freiheit“ strebenden Bürger im Rheinland. Zunächst wechselten die aus Papier gefertigten Kappen von Jahr zu Jahr. Es war Brauch, sie am Aschermittwoch zu verbrennen. Form und Ausstattung der Kappen änderte sich schon bald. 1840 hieß es im „Carneval-Almanach“, das Produkt der Saison sei eine „schöne, dreischellige, dreischnabelige, vierfarbene Kappe“. Zum Verbrennen waren diese neuen Kappen zu schade (und zu teuer). Es entwickelte sich eine Vielfalt von Kappen, aber auch eine Hierarchie. Trotzdem gibt es heute noch närrische Korporationen, in denen jeder, egal auf welchem Posten er aktiv ist, die gleiche Kappe trägt, getreu dem alten Motto: „Gleiche Brüder – gleiche Kappe!“

Orden

narrenlexikon_orden_360

Karnevalsorden waren ursprünglich dazu gedacht, staatliche und militärische Ordnung ins Lächerliche zu ziehen und die Geltungssucht mancher Persönlichkeiten zu persiflieren.

Im Laufe der Zeit wandelte sich jedoch die Bedeutung der Orden vom Juxartikel zu Erinnerungs-, Dankes- und Ehrenzeichen sowie Vereinsabzeichen in Form eines Haus- oder Jahresordens. Durch ihn identifiziert sich der Narr mit seinem Verein oder seiner Fußgruppe und trägt ihn als sichtbaren Beweis für seine Zugehörigkeit und Engagement.

Prinzengarde

Die Garde zählt zum Hofstaat des Prinzenpaares. Im 18. Jahrhundert kleidete das Bürgertum entsprechend den damaligen romantischen Vorstellungen die Garden mit Uniformen der alten Bürgerwehren ein. Nach und nach wurden die Exerzierordnungen und Dienstränge abgewandelt und eine Persiflage auf das Militärwesen entstand.

Prinzenpaar/Prinz

narrenlexikon_prinzenpaar_2014

Ein wichtiges Kennzeichen der Fastnachtsbräuche ist die Errichtung von Narrenreichen. Dies erfolgt meist durch symbolische Handlungen wie das Erstürmen des Rathauses, Übernahme der Schlüssel- und Regierungsgewalt sowie das Einsetzen eines Herrschers oder eines Herrscherpaares (Karnevalsprinz oder Prinzenpaar).

Karnevalsprinz und Prinzenpaar sind relativ junge Erscheinungen. Im Zuge der Fastnachtsreform trat ein Karnevalsprinz erstmals 1823 in Köln als „Held Karneval“ auf. Schon damals glich sein Äußeres dem eines Herrschers. Er trug eine Krone mit Pfauenschweif, eine goldene Kette, einen funkelnden Gürtel, ein weißes Untergewand und einen Purpurmantel. Der Held sollte nach den Vorstellungen der Reformer „die Erbärmlichkeit des gewöhnlichen Treibens auf Grund seines edlen Charakters“ in die gewünschten Bahnen lenken und alle Mißstände besiegen. Auch andere Städte und Gemeinden schlossen sich dem Kölner Vorbild an. Vielerorts tritt jedoch der Karnevalsprinz nicht alleine auf, sondern bildet zusammen mit einer Karnevalsprinzessin das Prinzenpaar, das Herrscherpaar über das Narrenreich.

narrenlexikon_prinzenpaar_1939

In Dieburg gab es erstmals 1928 einen Prinzen, nämlich Ernst Henkel („Henkel von Bankhaus zu Umstadt“). Ein Prinzenpaar trat dann zum ersten Mal im Jahr 1939 (Foto) auf: „Franz I., Herzog von Minnefeld und Nauheim“ (Franz Herz) und „Betty I., Herzogin vom Fuchsberg“ (Betty Blank).

Diese Tradition wurde zunächst durch den zweiten Weltkrieg unterbrochen, dann aber 1949 wieder aufgenommen und bis heute weitergeführt. Die Dauer seiner Regentschaft ist allerdings auf die drei tollen Tage beschränkt. Vorgestellt wird es traditionell am Fastnachtssonntag und bis dahin ist die Auswahl des Paares durch den KVD ein streng gehütetes Geheimnis. Auf der Website des KVD ist in der Rubrik „Archiv“ eine vollständige Auflistung aller Dieburger Prinzen und Prinzenpaare nachzulesen.

Rosenmontag

Über die Herkunft des Namens „Rosenmontag“ streiten sich Gelehrte wie Karnevalisten. Eine Theorie besagt, dass der Rosenmontag gar nichts mit der gleichnamigen Blume zu tun habe. Der Name leite sich vielmehr von dem Verb „rasen“ ab, was soviel wie lustig sein, toben, sich toll gebärden bedeutet. Neueren Forschungen zufolge soll diese Herleitung jedoch falsch sein und die Entstehung des Namens einen anderen Hintergrund haben: Im Zuge der Fastnachtsreform des 19. Jahrhunderts, die in Köln ihren Anfang nahm, wurde dort 1823 das „Festordnende Komitee“ gegründet, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Feiern des Karnevals in organisierter Form durchzuführen. Dieses Karnevalskomitee hielt jeweils am Montag nach dem Sonntag „Laetare“ (lateinisch: freue dich), dem dritten Sonntag vor Ostern, seine Generalversammlung ab. Dieser Sonntag hieß seit dem 11. Jahrhundert auch Rosensonntag, weil der Papst in Rom an diesem Tag eine goldene Rose weihte, die er dann einer verdienten Persönlichkeit überreichte. Das Komitee, das den Umzug an Fastnachtsmontag organisierte, benannte sich nach seinem Versammlungstermin schlichtweg „Rosenmontagsgesellschaft“. Wahrscheinlich nach 1830 wurde dann der Name auf den Karnevalsumzug am Fastnachtsmontag und schließlich auf den Tag selbst übertragen.

Schunkeln

Besonders für Japaner, Chinesen und Amerikaner interessant zu wissen. Angeborene und instikthaft ausgeführte Bewegung, die normalerweise eines 3/4-Rhythmus bedarf. Der Dieburger schafft es aber auch ohne. Schunkeln tut man mit den Leuten, die zufällig neben einem stehen oder sitzen. Man hakt sich an den Armen ein und wiegt hin und her. 🙂

Weck, Worscht und Woi

Kann als kulinarische Marschverpflegung der Narren oder traditionelles Fastnachtsmahl bezeichnet werden und besteht aus Fleischwurst, Brötchen und einer Flasche Wein. Wird auch als närrisches Gegenstück zum kirchlichen Mahl von Brot und Wein angesehen.

Weiberfastnacht

Der Donnerstag vor dem Rosenmontag wird auch als Weiberfastnacht bezeichnet und ist ein den Frauen vorbehaltenes Fest. Hier beginnt die Fastnachts-Hochphase. An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Herrschaft, was sich besonders in dem Brauch ausdrückt, den Männern die Krawatten abzuschneiden. Für die Herren der Schöpfung ist es also nicht ratsam, an diesem Tag gerade die beste Krawatte zu tragen. In manchen Orten finden donnerstags Altweibersitzungen statt. Aber auch Altweiberbälle oder andere Maskenbälle werden veranstaltet.

Die Wiege der Weiberfastnacht steht in Bonn-Beuel: Vor 180 Jahren trafen sich Waschfrauen in dem damaligen Dorf zur weiblichen Karnevals-Revolte. Denn das Leben der Waschfrauen war in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts alles andere als spaßig. Kinderreiche Familien, Armut und schwere körperliche Arbeit – viele der verheirateten Frauen, im Rheinland Möhnen genannt, hatten ein hartes Leben. Neben der Erziehung der Kinder und dem Haushalt erledigten die Beueler Frauen auch die Wäsche der reichen Leute aus Bonn und Köln. Für den Transport der Wäsche waren die Männer zuständig. Und die hatten 1823 auf der Fahrt nach Köln den ersten Straßenkarneval miterleben dürfen, während ihre Frauen daheim arbeiteten. Ein Jahr später wollten die Beueler Waschfrauen den Karneval nicht mehr nur den Herren der Schöpfung überlassen. Während die Männer am Donnerstag vor den tollen Tagen mit der Lieferung in Richtung Köln aufbrachen, legten die Frauen ihre Arbeit nieder und trafen sich zum närrischen Kaffeeklatsch. Das „Alte Beueler Damenkomitee von 1824“ wurde gegründet. Es war die Geburtsstunde der Weiberfastnacht.

Zugplakette

narrenlexikon_zugplaketten

Dieburger Fastnacht ohne Zugplaketten ist kaum vorstellbar. Seit vielen Jahren – genau genommen seit 1951 – sind sie auch hier fester Bestandteil des närrischen Treibens. Jedes Jahr gibt es ein neues Motiv für die kleinen farbenfrohen Anstecker, die früher aus Holz und Plastik waren, heute aus Metall. Ihren Ursprung haben die Zugplaketten in Mainz: Dort sollte nach dem zweiten Weltkrieg wieder ein Rosenmontagszug organisiert werden. Leider wusste man nicht, wie man dieses Unternehmen finanzieren sollte. Die Lösung schauten sich die Narren bei den Katholiken ab. Diese hatten den „Deutschen Katholikentag“ von 1948 in Mainz durch den Verkauf von Ansteckplaketten bestritten. Eine Idee, die bei den Fastnachtern große Zustimmung fand – die Zugplakette war geboren. So dient der Verkaufserlös auch in Dieburg der Finanzierung der Umzüge. Erhältlich sind die Plaketten an allen Veranstaltungen des Karnevalvereins, auf dem Martinsmarkt und bei einzelnen Vereinsmitgliedern sowie im Einzelhandel.

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden: