Befragung

„Sag, wie hältst du es mit der Fastenzeit“? – Befragung

Der eine tut’s wegen Gott, der andere für die Figur: Heute beginnt die 40-tägige Fastenzeit bis Ostern und die gehen die Menschen sehr unterschiedlich an. Zum Thema Fastenzeit habe ich einige Dieburger Karnevalisten befragt und ihnen die „Gretchenfrage“ gestellt.

Die Fastenzeit bezeichnet die österliche Bußzeit, die 40 Tage dauernde Vorbereitung auf Ostern, die Zeit der inneren Umkehr. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet mit der Osternacht. Neben „Beten“ und „Geben“ sollen die Gläubigen, als äußeres Zeichen von Buße und Besinnung, in dieser Zeit auf Dinge verzichten, die ihnen angenehm und lieb sind.

Nach Umfragen hat die Zahl der Menschen, die nach den tollen Tagen fasten, in den vergangenen Jahren merklich zugenommen. Mehr als die Hälfte der Deutschen hält den Verzicht aus gesundheitlicher Sicht für sinnvoll, ergab die Studie einer Krankenkasse. Die meisten wollen laut Studie auf Klassiker wie Alkohol, Süßes und Fleisch verzichten, mancher auch aufs Autofahren o.ä.

Viele probieren mittlerweile auch „digitales Fasten“ aus, vor allem bei den 18- bis 29-Jährigen. Laut Studie will etwa jeder Vierte in der Fastenzeit ganz oder zeitweise abschalten und zumindest im Privatleben auf Smartphone, Internet und Co. verzichten. Die meisten wollen mit dem Online-Aus Stress reduzieren oder die gewonnene Zeit mit der Familie oder Freunden verbringen.

Wie fasten Dieburger Karnevalisten? Auf was verzichten sie? Verzichten sie überhaupt auf etwas? Wie erleben sie die Fastenzeit? Einigen habe ich vor paar Tagen die „Gretchenfrage“ gestellt: „Sag, wie hältst du es mit der Fastenzeit“? Das kam dabei heraus…

Ute Gelfort (60), Ehefrau und Mutter, wohnt mit zwei weiteren „Fastnachtsverrückten“ im Haus:

„Ich komme aus einem katholischen Elternhaus im Rheinland und damals stellte sich diese Frage nicht. Heutzutage bin ich motiviert und die Freude stellt sich ein, wenn man sich selbst überwindet. Auf Fleisch und Alkohol zu verzichten fällt mir überhaupt nicht schwer, aber auf Süßes. Aber ich versuche es jedes Jahr. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg“.

Hans Buchert (65), ehemals Angehöriger des „Tupuka“-Hofballets, Hobbybäcker und „en schäine Dibboijer“:

„Ich habe früher die letzte Woche der Fastenzeit, die Karwoche, gerne in einem Kloster und besonders gerne in Taizé verbracht. Die Liturgie in der Karwoche ist und war von einer starken Dichte. Ebenso bin ich gerne in die Frühschichten in der Dieburger katholischen Kirchengemeinde gegangen. In den letzten Jahren war die Fastenzeit bei mir nicht mehr von der Zeit davor oder danach zu unterscheiden. Das lag an einem gesundheitlichen Tiefschlag, von dem ich mich noch immer erhole. Ich werde dieses Jahr einen neuen Anlauf starten. Wie er aussieht, da lasse ich mich selbst überraschen“.

Andrea Schuler (35), waschechte Dieburgerin, Bossemacher-Fastnachtsgruppe, Stadtführerin beim Heimatverein:

„Wenn man sich im Jahr auf etwas freuen kann, ist es die Fastnacht. Nach meinem Wegzug aus Dieburg stand für mich fest, ich kann nirgendwo anders wohnen. Also zog ich wieder zurück in meine Heimatstadt. Es ist meine Heimatverbundenheit und die Möglichkeit, dies im historischen Kostüm auch an den Nachtwächter-Rundgängen zu zeigen. Mich gibt es das ganze Jahr in diesem Kostüm für Stadtführungen aller Art zu sehen. Unter dem Jahr höre ich oft den Spruch, na ist schon Fastnacht? Und ja, das ganze Jahr sollte man feiern. Das man in einer so tollen Stadt lebt. Ab Aschermittwoch, zur Fastenzeit, sollte man fasten. Ja, auch ich faste. Ich nehme die verbleibende Zeit, neben vielen Terminen, und besinne mich auf das Schöne und die Geborgenheit in meiner Familie. Es ist nicht wichtig, auf etwas Handfestes zu verzichten, man muss nicht dem Alkohol oder den Süßigkeiten abschwören, man muss auch nicht auf Fleisch verzichten. Nein. Man soll bei sich selbst beginnen und Frieden finden, schöne Dinge erleben und sich vom Stress des Alltags lossagen. Ich werde in 2018 fasten. Ich werde weniger Stress zu mir nehmen und einfach leben“.

Chris Gebert (25), Veranstaltungstechniker und Eventplaner, Betreiber von „essen-in-dieburg.de“:

„Mit dem Thema Fastenzeit habe ich mich noch nie wirklich beschäftigt. Aber seien wir mal ehrlich: fürs Fasten schmeckt das Essen in Dieburg doch einfach viel zu gut!“

Susanne Hackenberg (58), Fahrerin des KVD-Zugmarschalls bei den Kinderumzügen, Zuggruppen-Ausschuss und Angehörige des Freundeskreises „Montagsdabber“:

„In diesem Jahr habe ich mich entschlossen, die Fastenzeit zu nutzen. Dass ich eine fülligere Size Plus bin, kann jeder sehen. Vor einem Jahr habe ich meine Ernährung umgestellt und kann auch schon einige Minus-Kilos verbuchen. Jetzt habe ich mich entschlossen, noch einen „Turbo“ draufzulegen, um mich bis Ostern auch „innerlich zu reinigen“, komplett auf Süßigkeiten und Zucker zu verzichten und die Kohlenhydratzufuhr einzuschränken und zu verändern, hin zu den „besseren“ Kohlenhydraten. Fasten heißt für mich bewußt verzichten, aber auch eine Veränderung herbeizuführen. Wir leben im Überfluss und ich möchte diesen nicht noch versüßen. Wer nicht genießt, ist ungenießbar. Ich finde, etwas zu genießen ist immer etwas Besonderes. Damit man Genuss erfährt, muss man auch verzichten können, sonst verkommt der Genuss zur Gewohnheit“.

Hubert Schledt (61), Tänzer und Kassenwart im Heihupper-Männerballett:

„Ja, ich faste ab Aschermittwoch bis Ostersamstag, allerdings nicht aus religiösen Gründen, sondern eher um meinem Körper eine Auszeit von Überfluss und Völlerei zu gönnen. Ein positiver Nebeneffekt ist ein gewisse Gewichtsreduzierung, die allerdings mit zunehmendem Alter immer geringer wird. Für meinen Körper und für meine Frau ist das eine gewisse Phase der Erholung. Konkret verzichte ich auf jeglichen Alkohol, Süßigkeiten und… na ja… wir sind familiär noch am diskutieren, ob Sex zu Überfluss oder Völlerei gehört. Ich faste jetzt seit über 20 Jahren und wir haben diese Frage immer noch nicht abschließend geklärt. Das erste Bier oder der erste Wein nach sechs Wochen Abstinenz schmeckt besonders gut. Der Ostersamstag ist mein persönlicher Feiertag“.

Jenny Stelzig (37), Fastnachtsprinzessin 2008, KVD-Schminkteam:

„Obwohl ich katholischen erzogen wurde, habe ich mich bisher noch nie zu einem Verzicht bestimmter Dinge in der Fastenzeit entschlossen. Klar ist die Überlegung immer mal wieder da, ob man sagt, dass man besonders nach der Fastnachtszeit auf Dinge wie Süßigkeiten oder Alkohol komplett verzichtet. Oder man verzichtet und sich selbst „Joker“ gönnt, das heißt, es an manchen Tagen doch „erlaubt“ ist. Aber die Überlegungen halten meist nicht lange an, sondern werden schnell verworfen“.

Dr. Franz Hock (71), Rentner im Unruhestand, Ehrenvorsitzender des Musikvereins 1989 St. Peter und Paul Dieburg, ehrenamtlicher Umweltbeauftragter des Bistums Mainz:

„Die Fastenzeit ist eine Zeit der Besinnung und des Innehaltens. In dieser Zeit gibt es viele Möglichkeiten seinen Lebensstil zu überdenken. Viele üben Verzicht auf „etwas“, das kann z.B. Alkohol, Süßigkeiten, Fernsehen, Internet usw. sein. Ich persönlich verzichte schon seit vielen Jahren in dieser Zeit auf „meine“ Schokolade, was mir manchmal auch sehr schwer fällt. Seit zwei Jahren habe ich auch komplett auf Alkohol in dieser Zeit verzichtet. Dabei musste ich feststellen, dass mir das alles sehr gut tat. Man kann auch ohne all die vielfältigen Genußmittel leben. Von den Kirchen gibt es auch Angebot in dieser Zeit. So rufen sie zur Aktion „Autofasten“ auf. Hierbei soll nicht komplett auf das Auto verzichtet werden, nein, man sollte in dieser Zeit und natürlich darüber hinaus auch nachdenken, ob alle Fahrten mit dem Auto nötig sind, oder ob man nicht auch einmal zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sein kann. Dies ist eine sinnvolle Sache, denn man tut dabei etwas für seinen Körper und die Umwelt“.

Klaus Gottwald (68), Friseurmeister, Hobby-Radsportler, KVD-Bühnenaktiver:

„Ich faste nicht in der Fastenzeit. Genauso wenig wie ich am 1. Januar mir gute Vorsätze ausdenke, um sie dann doch nicht einzuhalten. Doch da ich in der Fastnachtszeit oftmals nicht auf gesundes Essen achte und ich auch das eine oder andere Glas Alkohol mehr wie über das Jahr trinke, lebe ich in der Fastenzeit wieder gesünder. Vor allem fange ich wieder an, intensiver Sport zu treiben. Dazu passt es nicht zu fasten. Denn dafür muss ich auf eine ausgewogene und vernünftige Ernährung achten“.

Andrea Euler (55) und Carmen Stemmler (51), Pfarrsekretärinnen bei St. Peter und Paul:

„Wir finden, Fastenzeit muss nicht immer Verzicht auf etwas bedeuten. Der gute Vorsatz wird zum großen Teil sowieso nicht umgesetzt bzw. das Ganze durchgehalten. Ist so. Carmen kommt nicht ohne ihren täglichen Konsum an Schokolade aus und Andrea nicht ohne ihre Zigaretten. Selbst wenn wir es versuchen, sind wir beide nur unausstehlich und das macht das gemeinsame tägliche Arbeiten nicht wirklich einfach 😉 Deshalb sagen wir uns: Aufhören ist schwieriger als anfangen. Warum nicht mal eine To do-Liste für die 40 Tage erstellen? Einfach Dinge tun, die man schon lange tun möchte oder die im Alltag einfach abhanden kommen? Besuch einer guten Bekannten im Seniorenheim, ein Spieleabend mit der Familie, Freunde treffen, ausräumen-aufräumen-abgeben, sich von Dingen in Haus und Wohnung trennen, die eh überflüssig sind – und schon geht es einem besser. Einfach den Aufbruch wagen und sich die Zeit dafür nehmen“.

Lukas Beckmann (23), Fastnachtsgruppe „Dibbscheshogger“:

„Die Fastenzeit ist eine gute Möglichkeit, einmal im Jahr bewusst auf bestimmte Sachen oder Genussmittel zu verzichten. Ich persönlich faste nicht. Warum, weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Als Kind hat man eine gewisse Zeit auf Süßigkeiten verzichtet oder auf Fleischwaren, weil es von den Eltern vorgelebt wurde. Lange gehalten hat es bei mir meistens nicht – waren da ja noch die vielen Gutzjen vom Fastnachtsumzug“.


Auf dem Foto abgebildet:
Reihe oben v.l.n.r.:
Jenny Stelzig, Hubert Schledt, Lukas Beckmann, Chris Gebert, Ute Gelfort, Klaus Gottwald
Reihe unten v.l.n.r.:
Hans Buchert, Susanne Hackenberg, Andrea Euler, Carmen Stemmler, Dr. Franz Hock, Andrea Schuler

Teile diesen Beitrag mit deinen Freunden: