Bürgermeister Frank Haus

„Schon als Kind litt ich während der Fastnacht an chronischem Schlafmangel“

Warum ist es toll, Bürgermeister in Dieburg zu sein? Wofür reicht das Geld in der angeblich klammen Stadtkasse an Fastnacht? Und warum sollten Braunwarths Bier besser nicht mit Gersprenzwasser brauen? Das und noch mehr hat er mir jetzt verraten…

Auf einige neue Gesichter an maßgeblichen Stellen und bei Anlässen müssen sich die Freunde der Dieburger Fastnacht in diesem Jahr einstellen. Zum einen – wie immer – auf ein neues Prinzenpaar, das in wenigen Tagen übers närrische Volk regieren wird. Zum anderen hat in dieser Saison mit KVD-Präsident Günter „ohne h“ Hüttig auch ein neuer Mann den Posten an der Vereinsspitze und damit einhergehende Aufgaben inne.

Nicht zu vergessen hat mit Bürgermeister Frank Haus (Foto) seit August letzten Jahres auch ein neuer Rathauschef den Hut auf. Auch er hat für die tollen Tage einige mit dem Amt des Stadtoberhauptes verbundenen Pflichten und Auftritte im Terminkalender stehen, beispielsweise die Schlüsselübergabe bei der Proklamation des Prinzenpaares oder der Närrische Empfang am Rosenmontag mit vielen geladenen Gästen. Fest steht: neben den KVD-Offiziellen ist auch der Bürgermeister an den Fastnachtstagen eine unverzichtbare Größe.

Wie Amtsvorgänger Werner Thomas, frönt auch Haus der Narretei, erklärt sie gar zur „Bürgerpflicht“. Büttenreden allerdings, so gesteht er, seien nicht sein Ding und wären wohl auch „nicht vergnügungssteuerpflichtig“. Das sagt er in einem Interview, das ich in dieser Woche mit ihm geführt habe…

Frank, wie fühlt sich das an, als „neuer“ Bürgermeister der Fastnachtsstadt so kurz vor den tollen Tagen?

„Ich muss eingestehen, dass ich schon jetzt in einem wichtigen Punkt politisch gescheitert bin. Mit dem schnellen Ende der Sanierungsarbeiten der Brücke an der Alten Mainzer Landstraße bin ich überhaupt nicht einverstanden. Sowohl das Bauunternehmen als auch meine Mitarbeiter haben sich über alle Anweisungen hinweggesetzt, die Arbeiten bis in das nächste Jahr hinauszuzögern. Ich kann das nicht verstehen: jahrelang hat das an den anderen Baustellen wirklich gut funktioniert und wir haben immer mindestens doppelt so lange gebraucht wie von den Anwohnern gewünscht. Man will doch von einer Baustelle auch was haben! Ich hatte die große Hoffnung, dass ich es damit bereits in meinem ersten Amtsjahr schaffe, den Zugweg über Groß-Zimmern zu führen, nachdem mein Kollege Achim Grimm jetzt dick ins Fastnachtsbusiness eingestiegen ist. Aber das war absehbar: Mit Zimmern geht es weiter bergab, weil alle Dieburger den Blitzer kennen und kein Geld mehr reinkommt. Da muss Achim mit einem zweiten Standbein als Comedian vorsorgen“.

Ohne den Bürgermeister geht bei manchem offiziellen Anlass ja nix. Liegen deine Reden schon in der Schublade?

„Soll das heißen, dass Du mir ein Schubladendenken unterstellst? Nein, da liegt nichts in der Schublade, ich bin immer tagesaktuell. Nur an Büttenreden traue ich mich nicht ran. Ich habe im letzten Jahr eine kleine Rolle bei den Nachtwächterrundgängen gespielt und musste erst einmal einen Dibbojerisch-Sprachkurs beim Karlheinz Braun machen“.

Du bist ja bekanntermaßen Gruppenfastnachter bei den „Krotzequetschern“. Was steht sonst noch so in deiner fastnachtlichen Personalakte?

„Da steht vor allem drin, dass ich schon als Kind während der Fastnacht an chronischem Schlafmangel gelitten habe, weil mein Kinderzimmer nur einen Steinwurf weit von der Ludwigshalle entfernt war. Ich kannte am Ende der Kampagne praktisch jeden Vortrag aus den Sitzungen auswendig. Als Kind war ich bei den Wennleffel. Ich kann mich erinnern, dass wir einmal einen tollen Motivwagen gebaut hatten: den Albatros aus Bernhard und Bianca. Wochenlang haben die Männer geschraubt und gemacht. Ein Vogel mit einer gewaltigen Spannweite – sah ganz toll aus, als er fertig war. Es hatte nur keiner daran gedacht, dass das Teil durch die Klostergasse passen musste. Nachher hatten die Flügel Scharniere!“

Welche Hobbys und Interessen hast du außer Fastnacht sonst noch? Wobei kannst du dich am besten entspannen?

„Wer behauptet, dass Fastnacht ein Hobby ist? Das ist in Dieburg Bürgerpflicht und kein Wunschkonzert. Entspannen fällt mir schwer. Ich kann nicht ruhig sitzen. Am ehesten noch bei Fußball auf der Couch mit einem, zwei, drei Bier“.

Deine Gruppe hat letztes Jahr mit der tollen Häkel-Aktion am Fastnachtsbrunnen überrascht, eine gelungene Geheimaktion, wie ich finde. Was wird in diesem Jahr heimlich behäkelt und verhüllt? Der Elferratswagen vielleicht oder die Rummel-Lok samt Tante Elke? Oder gleich das ganze Rathaus?

„Für das Häkeln war ja vor allem meine Frau zuständig. Ich befürchte, dass ich in diesem Jahr ziemlich viel Überzeugungsarbeit leisten müsste, um sie noch einmal zu einer solchen Aktion zu überreden. Aber wenn noch mal was gehäkelt wird, dann ordentliche Fastnachtsfahnen für das Landratsamt“.

Dein Amtsvorgänger Werner Thomas ist Fastnachter bei den „Brunnebuzzer“ und mit den Speeslochfinken viele Jahre bei den Sitzungen dabei gewesen. Du bist wie eben schon erwähnt ebenfalls fastnachtlich aktiv. Muss man mittlerweile anerkannter Fastnachter sein, um in Dieburg als Bürgermeister gewählt zu werden? Welche Rolle spielt das deiner Meinung nach?

„Ach, bei den Fastnachtern bin ich doch nur ein ganz kleines Licht. Ich kann weder singen noch tanzen oder nähen. Ein Vortrag von mir wäre bestimmt auch nicht vergnügungssteuerpflichtig. Aber wenn es wirklich um die Qualitäten als Fastnachter gehen würde, dann wären wir alle gegen unseren Hein Fischer chancenlos gewesen“.

Bei der Proklamation des Prinzenpaares höre ich von Prinz oder Prinzessin sinngemäß immer „Ja, ab heute regieren wir für die nächsten drei Tage über die Stadt, jetzt versaufen wir die Stadtkasse!“ Aber dann stellt man angeblich immer fest, dass die Kasse sehr leicht ist, weil sie leer wäre“. Ehrlich – Dieburg gehört zu den reichsten Kommunen im Landkreis. Also jetzt mal Butter bei die Fische: Was ist wirklich drin in der Stadtkasse?

„Über Geld spricht man bekanntlich nicht. Schon gar nicht spricht unser Kämmerer mit mir darüber. Wenn ich ihn nach der Kassenlage frage, setzt bei ihm erst so ein leises Wimmern ein, dann senkt er den Kopf und wird so seltsam traurig. Man möchte ihn einfach nur in den Arm nehmen und trösten. Ich sage Dir, das Bild zerreißt dem stärksten Fastnachter das Herz. Aber ich bin dahintergekommen, dass das nur so eine Masche ist. Ich würde daher schätzen, dass jedenfalls genug in der Kasse ist, um mit der Prinzengarde ein ordentliches Hütchen-Besäufnis zu veranstalten“.

Bist du an Weiberfastnacht schon mal Opfer einer Scherenattacke geworden und hast den Schlips eingebüßt? Du hast ja bisher als Rechtsanwalt gearbeitet und bist im feinen Zwirn in der Kanzlei und Amtsstuben bei Gericht unterwegs gewesen. Und jetzt als Bürgermeister, na, da heißt es sich besonders uffbasse. Oder trägst du an Weiberfastnacht Rollis?

„Einmal musste ich dran glauben: Ich war jung und naiv. Dummerweise war das die Lieblingskrawatte meiner Frau! Inzwischen gehe ich meistens oben ohne, so dass nichts mehr schiefgehen kann“.

So, Frank, jetzt kurz und knackig, 11 Entweder-Oder-Fragen im Schnelldurchgang. Antworte ganz spontan, so kurz und knapp wie möglich. Los geht’s…

Frühaufsteher oder Morgenmuffel?
„Frühaufsteher“
Tee oder Kaffee?
„Kaffee“
Müsli oder Leberkäs-Weck?
„LKW“
Jogginghose oder Maß-Anzug?
„Gibt es nichts dazwischen?“
Nutella mit oder ohne Butter?
„Wenn schon, denn schon: mit Butter!“
Laut oder leise fluchen?
„LAAAAAAAUUUUUUUT!“
Puma oder Adidas?
„Da ich als Kind nur die 2 Streifen von Aldi hatte: Adidas“
Allgäu oder Australien?
„Allgäu. In Australien würde ich ja auf dem Kopf stehen, da wird mir schlecht“
Apple iPhone oder Samsung Galaxy?
„Gegen Äpfel bin ich allergisch: Galaxy“
Hund oder Katze?
„Wer braucht schon vier Beine? Hühner!“
Bier oder Hütchen?
„Hütchen. Ich meine das mit Cola, ohne Sinalco!“

Apropos Bier: „Der Herr Bürgermeister gibt bekannt, dass am Mittwoch Bier gebraut wird und deshalb ab Dienstag nicht mehr in den Bach geschissen werden darf!“ Könntest du das unterschreiben? Der Braunwarth braut zum Glück ja wieder Dieburger „Löwen-Bräu“, nach altem Original-Rezept, ich hab natürlich welches im Keller und viele andere Dieburger auch…

„…und ich durfte sogar bei der ersten Verkostung mit dabei sein und meine Meinung abgeben! Es ist schon toll, Bürgermeister zu sein. Ob wir aber Bier brauen sollten mit Wasser, das kurz zuvor erst durch Zimmern geflossen ist? Wenn das die Zimmner spitzkriegen, dann hängen die alle mit dem nackten Hintern über der Gersprenz“. 🙂

Worauf freust du dich nach Fastnacht am meisten?

„Dass es dann die ersten Lebkuchen und Nikoläuse in den Supermärkten gibt, oder?“

Ja, wenn’s so ist, von mir aus 😊 Dann wünsche ich dir eine schöne Fastnachtszeit und sag‘ Danke, dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Und wenn du wieder mal beim Fußball mit eins, zwei, drei Bier auf der Couch sitzt, sag Bescheid, ich komm‘ dann mit ’nem Sixpack unterm Arm vorbei 😊

Zur Person:

Frank Haus, Jahrgang 1974, waschechter Dieburger. Verheiratet, drei Töchter. Bürgermeister seit August 2017, parteilos. Jurist, spezialisiert auf Familienrecht sowie Miet- und Wohnungseigentums-Recht. Angehöriger der „Krotzequetscher“-Fastnachtsgruppe. Heimwerken zählt neben Kochen, Backen und Joggen zu seinen Hobbys. Sang früher im Chor „Poco Loco“ und kickte beim SC Hassia und beim SV DJK Viktoria. Anhänger von Darmstadt 98 und Bayern München. Beisitzer im Kreissportgericht.

(Foto: Patrick Liste)

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