KVD-Zugmarschall Thomas Lewis

Warum dieser Zugmarschall in die Historie eingehen könnte – Interview

Der große Umzug 2017 steht vor der Tür. Er entspricht zu 90 Prozent dem unwetterbedingt abgesagten vom letzten Jahr, was Anordnung und Kostümierung der Gruppen angeht. KVD-Zugmarschall Thomas Lewis (Foto) hat den Umzug geplant. Was kann er dazu aus seiner Schaltzentrale vermelden?

Einen Fastnachtsumzug zu planen, ist eine Mammutaufgabe. Unzählige Teilnehmergruppen verschiedenster Art in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen und daraus ein unterhaltsames, sehenswertes Ereignis zu formen, erfordert planerisches Geschick und Erfahrung. Im Karnevalverein Dieburg fällt diese Aufgabe Thomas Lewis zu. Als Zugmarschall erarbeitet er den Kinderumzug und den großen Umzug mit seinen 111 Nummern. Gleichzeitig ist er erster Ansprechpartner für die Teilnehmergruppen.

Hat die Absage 2016 seine Planung für dieses Jahr beeinflusst? Hatte er weniger zu tun als sonst? Was macht einem Zugplaner das Leben schwer? Und wie ist das überhaupt so als Frontmann in Blau-Weiß beim Umzug? Ich hab mich vergangene Woche bei ihm schlaugemacht…

Thomas, das ist in diesem Jahr erst deine dritte Kampagne als Zugmarschall, irgendwie ist viel passiert in dieser Zeit. Kurzer Rückblick: Wie kam’s, dass du das Amt im KVD übernommen hast?

„Ja, das stimmt. Irgendwann hat Friedel Enders angerufen und gefragt, ob ich mir zutrauen würde, mal Zugmarschall zu werden. Ich habe jahrelang den Elferrat für die Sitzungen eingeteilt und man hat im Verein gesehen, dass ich organisieren kann. Ich musste erst ein wenig überlegen und habe letztlich zugesagt. Dann bin ich drei Jahre bei meinem Vorgänger, Rainer Hackenberg, in die Lehre gegangen, wenn man so will. Die eigentliche Übernahme des Postens von Rainer, er verstarb ja 2015 mitten in der Kampagne, fiel mir nicht einfach. Es war eine Situation, in der ich mir viele Gedanken darüber gemacht habe, wie ich damit umgehen soll. Ich habe mich gefragt: Kannst du vor diesem Hintergrund überhaupt an Fastnacht fröhlich sein? Ist das passend? Viele, auch Rainers Frau Susanne, haben mich aber darin bestärkt, das hat mir geholfen. Es war eine schwierige Zeit für mich“.

Dann im vergangenen Jahr die Absage des großen Umzugs wegen des Unwetters, auch keine angenehme Situation …

„Diese Entscheidung ist allen Beteiligten nicht leichtgefallen und wir hatten alle ein beschissenes Gefühl im Bauch. Aber das, was danach an diesem Tag passierte, zeigt, was die Dieburger alles draufhaben. Viele Kneipen hatten geöffnet und es wurde Straßenfastnacht gefeiert. Wenn’s nicht regnete, war der Markt voll und wenn es regnete waren es halt die Kneipen. Mini-Umzüge um den Fastnachtsbrunnen oder im eigenen Hof. Und und und. Auch für das große und kleine Prinzenpaar, Hofmarschälle, Happy Sound aus Michelstadt und dem ganzen Gefolge war es ein unvergesslicher Tag. Frei von allen Zwängen haben wir es schön krachen lassen. Ob Flashmob auf dem Marktplatz oder die Kneipentour mit zum Beispiel dem Petermann oder der voll besetzte Römerhalle. Jedes Mal die Prinzenpaare mit Hofstaat und 50 Mann Band hinein und die Bude hat gekocht. Zwischendrin haben wir uns zum Abkühlen auch schön nass regnen lassen“.

Wie macht man das eigentlich, so einen großen Fastnachtszug zusammenstellen? Welches System steckt dahinter? Wie behältst du da den Überblick? Wobei, in diesem Jahr hast du ja wohl kaum Arbeit damit gehabt, oder? Der Umzug 2016 wurde ja zum großen Teil jetzt übernommen?

„Ja, in diesem Jahr war es „einfach“, da schon vieles fertig war. Ein paar Jubiläumsgruppen tauschen und Gastgruppen einbauen, fertig 😉 Ansonsten habe ich mir eine Excel-Liste erstellt, in die ich alles was ich brauche eintrage. Hat die Gruppe einen Wagen dabei, hat sie Musik dabei, in welchen Zugnummernbereich möchte man und ähnliches. Als erstes haben wir die gesetzten Nummern wie Elferrat, Prinzengarde, Prinzenwagen und so weiter. Dann werden die Musikzüge auf den Zug verteilt. Es folgen die Jubiläumsgruppen und die Gruppen mit großen Wagen. Dann fängt der Spaß an mit welche Gruppe will wohin, hat welche Wünsche und so weiter. Das versuche ich so weit wie möglich zu erfüllen. Dann steht der Zug erst mal bis zur ersten Kindersitzung. Nach der Proklamation des Kinderprinzenpaares schaue ich, aus welchen Gruppen kommen denn die beiden und diese Gruppen werden dann zum Wagen des Kinderprinzenpaares gestellt und die Gruppen, die dort waren, werden entsprechend getauscht“.

Apropos Gruppen, Platzierung im Programm und so: Immer wieder hört man, dass die Anordnung der Gruppen beim großen Umzug nah beim Prinzenpaar einen Hinweis darauf gibt, aus welcher Gruppe Prinz oder Prinzessin kommen. Ich selbst glaub’s nicht. Weiß der Zugmarschall bei der Planung mehr als alle anderen?

„Nein. Ich weiß nicht, wer Prinzenpaar wird und deshalb sagt die Gruppenreihenfolge auch nichts über eventuelle Zugehörigkeiten aus“.

Gruppen mit großen Wagen im Umzug, Stichwort Brauchtumsabnahme durch den TÜV. Mittlerweile ein großes Thema, was den Bau der fahrbaren Untersätze angeht, Haftungsrecht, Versicherungsrecht, schwieriges Thema. Die Meinungen gehen auseinander. Wie siehst du das?

„Die Brauchtumsabnahme ist eine gesetzliche Vorgabe, an der der KVD und die Zuggruppen, die umgebaute Fahrzeuge und Gespanne mit und ohne Personenbeförderung haben, einfach nicht vorbei kommen, ohne ein sehr hohes Risiko einzugehen. Einigen ist das Risiko heute noch nicht bewusst und es wird immer wieder behauptet, dass der KVD keine Wagen beim Umzug haben will. Ich sage auch jetzt wieder, das stimmt nicht. Ich habe mich mit dem Thema beschäftigt und die Tragweite gesehen und das hat mich dazu veranlasst, im Bereich des KVD und der Zuggruppen zu handeln. Als Organisator sehe ich mich in der Pflicht, die Fastnachtsgruppen zu informieren was passiert, wenn so eine Abnahme nicht gemacht wird. Es gibt zum Glück viele Gruppen die sagen, ja er hat recht und setzen es um. Andere tragen lieber das Risiko. Sicher ist auch, dass ich bzw. wir als Veranstalter mit dieser Maßnahme nicht fein raus sind. Wir müssten uns dann auch eine Menge Fragen stellen und stellen lassen und unser Scherflein dazu beitragen“.

Ein Dauerbrenner sind die vielen Baustellen im Stadtgebiet, die die Strecke des großen Umzugs auch in diesem Jahr wieder beeinflussen. Erschwert das die Planungen? Kannst du das Wort Baustelle noch hören?

„Ein Mehraufwand wegen der geänderten Zugwege hält sich für uns in Grenzen. Da hat der Kollege Beckmann vom Ordnungsamt mehr zu tun. Der darf bei den Genehmigungsschreiben der Stadt alle Beschilderungen und Absperrungen aufführen. Und die ändern sich ja im Moment ständig. Dennoch, ich werde wohl als der Zugmarschall mit den meisten unterschiedlichen Zugwegen in die Historie des KVD eingehen“ 🙂

Wie ist das an der Spitze des Zuges? Du bist ja der Erste, der am Spalier der Zuschauer vorbeikommt. Als Zugmarschall, muss du dir da manchmal auch dumme Sprüche und so was anhören? Dauernörgler, Besserwisser und Dummschwätzer sterben ja nicht aus und finden immer ein Haar in der Suppe …

„Da die Zuschauer voller Erwartung sind, bekomme ich auf mein Äla ein Äla als Antwort und schaue in viele fröhliche Gesichter. Da wird nicht genörgelt oder so. Etwas anders kann es dann nach dem Umzug aussehen. Alles, was nicht gepasst hat, bekommst du dann in verschiedensten Arten erzählt“.

Thomas, du hast mir erzählt, dass du in diesem Jahr genau 40 Jahre bei den Umzügen mitläufst, du warst schon als Knirps dabei, zuerst bei den Ourumpel, dann bei den Wennleffel, bei denen du heute noch bist. Wie ist das jetzt für dich: Ist es schöner, in seiner Fastnachtsgruppe mittendrin mitzulaufen und Spaß mit den Leuten zu haben oder gefällt’s dir als Zugmarschall in der Karosse mit Chauffeur ganz vorne besser? Wennleffel oder Pole Position?

„An das „alleine“ in einem Wagen mit Chauffeur oder Chauffeurin muss ich mich noch gewöhnen. Deshalb Wennleffel“.

Letzte Frage: Als Zugmarschall, bühnenaktiver Heihupper und Gruppenfastnachter hast du wie viele andere auch eine anstrengende Kampagne. Deine ganze Familie, euer Stemmler-Clan, ihr seid ja an allen Ecken und Enden irgendwie im Dauereinsatz. Auf was freust du dich nach Fastnacht am meisten?

„Mit meiner Familie am Wochenende gemeinsam am Frühstückstisch zu sitzen. Das kommt im Moment leider zu kurz, da meistens einer fehlt“.

Thomas, danke dass du dir die Zeit für meine Fragen genommen hast. Dir und deiner Familie schöne Fastnachtstage, vor allem schönes Wetter für den Umzug, ich drück‘ die Daumen. Und ich bin sicher, dass du ’ne nette Chauffeurin bei dir im Wagen hast 😉

„Danke auch dir Berti, es war ein unterhaltsames Gespräch. Für dich ist es ja jetzt auch eine „Hoch-Zeit“
in der Kategorie des Tippens und ich hoffe, du überstehst das unbeschadet. Auch dir und Ute noch viel Spaß
an den Fastnachtstagen mit dreifach Dibborsch Äla!“.

Zur Person:

Thomas Lewis (48), geboren in Darmstadt, lebt seit 1973 in Dieburg. Verheiratet, Familienmensch, Logistiker. Läuft seit 1977 beim Umzug mit, anfangs bei den „Ourumpel“, seit 1982 den „Wennleffel“ zugehörig. Tanzt seit zehn Jahren im Heihupper-Männerballett mit. Versucht trotz Fastnachtsstress viel Zeit mit seinem kleinen Sohn, auch ein Thomas, zu verbringen.

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